Inside: Google
Vor der Reifeprüfung

Die Internet-Suchmaschine Google läuft nicht mehr rund. Der Aktienkurs ist seit November um 40 Prozent eingebrochen; eine ganze Reihe von Führungskräften der zweiten Reihe hat das Unternehmen verlassen, und im Angesicht von Finanzkrise und drohendem Wirtschaftsabschwung in den USA mehren sich die Zweifel an dem letzten großen Highflyer der New Economy. Am Donnerstag legt Google die Ergebnisse für das erste Quartal 2008 vor. Ihre Bedeutung ist groß, ganz gleich, wie sie ausfallen.

Die Vorzeichen sind nicht gut. Die Internet-Marktforschungsfirmen Comscore und Nielsen Online stellten jüngst fest, dass Anzeigen, die zusammen mit Suchergebnissen erscheinen, weniger angeklickt wurden. Die Klicks sind für Google bares Geld und in ihrer Summe die wichtigste Einnahmequelle. Unklar ist bislang, wie akkurat die Zahlen von Comscore und Nielsen sind, ob sie im Wesentlichen einen verschärften Schutz vor Klick-Betrug reflektieren und ob Google weniger Klicks durch höhere Erlöse pro Klick ausgleichen kann. Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob Internetwerbung rezessionresistenter ist als konventionelle Werbung.

Bereits im vierten Quartal des Vorjahres enttäuschte der weltweite Primus bei Internetsuche und der damit verknüpften Werbung mit schwächerem Wachstum. Obwohl Googles Erlöse immer noch um die Hälfte zunahmen und die Suchmaschine 2007 von jedem Dollar, der in den USA für suchgebundene Werbung ausgegeben wurde, gut 71 Cent einstrich, war die Wall Street enttäuscht. Der Aktienkurs brach kräftig ein.

Analysten erwarten für das erste Quartal ein leichtes Minus beim Reingewinn im Vergleich zum Schlussquartal 2007. Ob Google die Prognosen übertrifft oder darunter bleibt, wird nicht nur den eigenen Aktienkurs, sondern die High-Tech-Branche insgesamt beeinflussen, darüber hinaus aber auch Auswirkungen auf das Konsolidierungskarussell um Yahoo haben. Wenn Google mit guten Ergebnissen überrascht, dürfte das auch auf Yahoo ausstrahlen und dessen Verhandlungsposition gegenüber dem ungeliebten Freier Microsoft stärken.

Zusätzlich zu sinkendem Kurs und schwächeren Klick-Raten suchten in den vergangenen Wochen mehrere Google-Manager in Schlüsselpositionen "neue Herausforderungen". Sheryl Sandberg, die die Werbeplattform Adwords leitete, wechselte zu Facebook, Chief Information Officer Doug Merrill wurde Chef von Emi. Daneben kündigten Ethan Beard, Bereichsleiter für Social Media, und Chris Sacca, der Chef von Googles Aktivitäten in der drahtlosen Kommunikation.

Nach mehreren Jahren mit gigantischen Wachstumsraten wäre der erste Abschwung in der Firmengeschichte für Google eine Art Reifeprüfung. Mit über 14 Milliarden Dollar in der Kasse und einem unverändert großen Pool an Talenten hätte die Suchmaschine wenig zu befürchten. Das schließt nicht aus, dass der Übergang zu einem ganz normalen High-Tech-Unternehmen für die Beschäftigten und Anleger zu einem Kulturschock wird.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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