Inside: Infineon
Ziebart unter Beobachtung

Eigentlich hat Infineon-Chef Wolfgang Ziebart fast alles richtig gemacht. Und doch kommt der Konzern nicht voran, der Aktienkurs bereitet den Investoren alles andere als Freude. Der Grund für die Misere heißt: Qimonda.

So schnell gibt Qimonda-Chef Kin Wah Loh nicht auf. Trotz katastrophaler Zahlen macht ihm sein Job offenbar Spaß. „Es gibt für mich keinen Grund, mein Amt niederzulegen. Ich bin sehr zufrieden“, sagte er jüngst in einem Interview.

Dass Qimondas Hauptaktionär Infineon genauso zufrieden ist, darf bezweifelt werden. Denn Europas zweitgrößter Halbleiterhersteller leidet schwer unter den Verlusten der ehemaligen Speichersparte, die sich allein im abgelaufenen Quartal auf 600 Millionen Euro summierten. Noch immer hält Infineon 77,5 Prozent der Aktien von Qimonda – und muss deshalb für das Minus geradestehen.

Denn obwohl Qimonda schon seit Sommer 2006 eigenständig an der Börse notiert ist, steht und fällt Infineon mit der Geschäftslage seiner Tochter. Das eigene Kerngeschäft mit Chips für die Kommunikations- und Autobranche kann die Verluste von Qimonda nicht einmal annähernd ausgleichen.

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart muss noch immer auslöffeln, was ihm sein Vorgänger eingebrockt hat: die Abhängigkeit vom extrem schwankungsanfälligen Speichergeschäft. Inzwischen wackelt wegen der Misere bei Qimonda sogar der Stuhl des ehemaligen Conti-Managers. Aufsichtsräte werfen ihm vor, sich nicht genug um den Verlustbringer gekümmert zu haben. Ob Ziebart sich zuletzt noch ins tägliche Geschäft von Qimonda eingemischt hat oder nicht, lässt sich von außen schwer beurteilen. Eins steht allerdings fest: Von der Strategie her sind Ziebart keine Vorwürfe zu machen. Denn seit er im September 2004 auf den Chefsessel von Infineon kam, arbeitet der Ingenieur an der Trennung von den sogenannten Dram-Chips. Ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg war Qimondas Börsennotierung an der New Yorker Wall Street im Sommer 2006. Allerdings gelang es dem Manager danach nicht, die Beteiligung substanziell abzubauen. Bis heute sitzt Infineon auf viel zu vielen Qimonda-Aktien.

Rückblickend hätte Ziebart viel stärker aufs Tempo drücken und die Anteile notfalls sogar verschenken sollen. Erst diesen Februar hat Infineon auf der Hauptversammlung die Voraussetzung geschaffen, um die Anteile an die eigenen Aktionäre verteilen zu können. Andere deutsche Konzerne waren da viel konsequenter und haben sich von Töchtern getrennt, indem sie nach der Abspaltung sämtliche Aktien des neuen Unternehmens an die eigenen Anteilseigner abgegeben haben.

In den nächsten Monaten wird es spannend: Anleger und Analysten werden sehr genau beobachten, wie und wann sich Infineon von weiteren Qimonda-Aktien trennt. Sicher ist derzeit nur, dass die Einnahmen angesichts des niedrigen Aktienkurses von Qimonda nicht besonders hoch ausfallen werden. Das gesamte Unternehmen wird an der Börse noch nicht einmal mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Wie schlecht Investoren die Aussichten für Qimonda einschätzen, zeigt sich auf brutale Art und Weise im Aktienkurs: Im Sommer kostete ein Papier um die 15 Dollar. Inzwischen droht der Kurs unter die Marke von vier Dollar zu fallen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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