Inside: Sony
Auf Wiedervorlage

Verunreinigungen im Produktionsprozess - das gibt ein Markenhersteller wie Sony nur höchst ungern zu. Bilder von brennenden Computern, der Rückruf von 5,9 Millionen Notebooks von Dell und Apple - das alles ist ein Albtraum für den japanischen Elektronikriesen. Wie schnell wird Sony sich davon erholen und auf den jüngsten Erholungskurs zurückfinden?

TOKYO. Das Debakel mit den Lithium-Ionen-Batterien ist ohne Frage ein Rückschlag für das neue Führungsduo Howard Stringer und Ryoji Chubachi. Sony schätzt, dass die Rückrufe den Konzern zwischen 133 und 200 Millionen Euro kosten werden. Das wäre schlimmstenfalls ein Viertel des prognostizierten Nettogewinns für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr. Dennoch zeigen sich Analysten vergleichsweise optimistisch, sprechen von einmaligen Sonderkosten und begrenzten Auswirkungen.

Ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn zum einen müssen die Beschäftigten, die ohnehin schon den Spardruck des neuen Managements zu spüren bekommen, die Löcher stopfen. Zudem ist noch unklar, ob es Schadensersatzprozesse in den klagefreudigen USA geben wird. Solche Kosten hat Sony nach eigenen Angaben noch nicht einkalkuliert. Und nicht zuletzt ist der Imageschaden für Sony schwer abzuschätzen. Den Versuch, diesen zu beziffern, hat bisher auch noch niemand unternommen.

Sony hat aber reagiert und die Qualitätskontrolle medienwirksam ganz hoch aufgehängt. Ab sofort zeichnet mit dem bisherigen Chef der Fernsehsparte, Makoto Kogure, ein Topmanager dafür verantwortlich. Denn falls es Sony nicht gelingt, sich durch Qualität und Innovation von der asiatischen Billigkonkurrenz abheben, helfen alle Sanierungspläne Stringers nichts.

Glück im Unglück mag Sony – was die Marke angeht –, mit zwei Dingen haben: Zumindest Dell steht auch nach der Akku-Panne treu zu seinem Lieferanten. Außerdem wäre der Image-Schaden vermutlich weitaus größer, wenn es eines von Sonys Kernprodukten wie Fernseher oder Digitalkameras erwischt hätte. Doch beim Endverbraucher war Sony bisher kaum für seine Lithium-Ionen-Akkus bekannt, auch wenn die Japaner nach Sanyo Electric der zweitgrößte Anbieter der Welt sind.

Die eigentliche Stunde der Wahrheit schlägt ohnehin erst im November. Dann bringt Sony seine mit Spannung erwartete Computerspielekonsole PS3 heraus. Der Start ist bereits einmal um mehrere Monate verschoben worden - und immer noch halten sich Gerüchte, dass es weiterhin Zulieferprobleme für die technologisch anspruchsvolle Konsole gibt. Bei vielen Analysten liegt der Novembertermin auf Wiedervorlage.

Denn wegen hoher Anlaufkosten für die PS3 schreibt die wichtigeSpielesparte in diesem Jahr noch rote Zahlen. Doch das Blatt könnte sich schlagartig wenden, wenn die Konsole ein Verkaufsschlager wird. Zudem sind die Komponenten - nicht zuletzt der DVD-Nachfolger Blu-ray, so eng mit der Unterhaltungselektronik verbunden, dass ein Erfolg der PS3 auf die gesamte Konzernsparte abstrahlt.

Und nicht zuletzt würden hohe Absatzzahlen der Konsole der Marke Sony wieder etwas ihres früheren Glanzes geben. Dann wäre die peinliche Akku-Panne schnell vergessen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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