Inside: Sony
Nach Umzug soft

Der Elektronikkonzern Sony ist im April in sein neues Hauptquartier gezogen. Nicht nur das Gebäude selbst glänzt mit modernem Design, auch der zuletzt leicht angeschlagene Konzern modernisiert seitdem seine Produktpolitik. Wesentlicher Bestandteil ist der Kampf gegen den Stillstand.

TOKIO. Seit Anfang April residiert das Sony-Hauptquartier in einem funkelnagelneuen Gebäude. Wie es sich für ein Unternehmen gehört, das Wert legt auf stilvolles Design, hat sich der Elektrokonzern ein besonders elegantes Hochhaus geleistet: Filigrane Streben halten eine schlanke Glasfassade fest, die Hochhäuser in der Umgebung wirken plötzlich alt und klobig. Mit dem Umzug scheint aber auch ein neuer Geist in der Zentrale ausgebrochen zu sein – die Sony-Mitarbeiter dort wirken so gelöst wie seit langem nicht mehr.

Vielleicht liegt das daran, dass Sony erstmals seit vier Jahren wieder einen operativen Gewinn erwirtschaftet hat. Die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr stellt der japanische Konzern am Mittwoch vor. Allein die Elektroniksparte soll ein Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro geschafft haben, schätzen Analysten. Das ist nicht zuletzt das Werk des Firmenpräsidenten Ryoji Chubachi, dem die Unterhaltungselektronik direkt untersteht. Der Ingenieur hat die Kosten gesenkt und lässt die Entwickler zielgenauer für den Markt arbeiten. Dazu kommt jedoch noch ein neuer Trend, der Sony weg von seinen Wurzeln beim Transistorradio führt: Sony setzt auf Software.

Der Verkauf von Inhalten und pfiffigen Anwendungen für die Maschinen wird immer wichtiger. Die neueste Version der hauseigenen MP3-Spieler ist winzig, kleiner noch als der I-Pod-Nano von Apple und in der Lage, alle gängigen Formate abzuspielen. Der Nutzer zieht die Songs auf einem PC einfach in das Symbol für den Spieler. Bis vor kurzem bestanden Sonys Musikspieler auf einem eigenen Format, das sonst keiner benutzen durfte. Plötzlich sind die Geräte für alles offen. Hier zeigt sich der stärkere Einfluss des Teams von jungen Software-Leuten, die Sony zuletzt eingestellt und herangezogen hat.

Die Software ist auch der Schlüssel dafür, dass die verschiedenen Geräte des Elektro-Imperiums miteinander reden, wie es die Ingenieure schon vor zehn Jahren versprochen hatten. Lange Zeit war hier wenig geschehen, doch nun verbinden sich Fernseher tatsächlich mit Handys. Und die Computer im Fernseher rechnen aus, was am Fußballbild der fliegende Ball ist, um Zwischenbilder zu erzeugen, die dessen Bewegung glatter erscheinen lassen als es das Fernsehen eigentlich ermöglicht. In Teams arbeitet eine neu gegründete Planungsabteilung daran, wie der gesamte Park von Sony-Geräten immer intelligenter wird und einander mühelos erkennen soll. Präsident Chubachi setzt auf den weichen Teil des Geschäfts als den eigentlich Geldbringer. Erfolge sind aber auch dringend nötig, nach Qualitätsproblemen bei Akkus und der verpatzten Einführung der Videospielkonsole Playstation 3.

Sony geht jedoch nicht nur weiter in die Virtualität, sondern hat auch eine Reihe von möglichen Bestsellern in Vorbereitung. Das Unternehmen ist fest entschlossen, sich nicht noch einmal auf den Erfolgen einer Produktgruppe auszuruhen und dann von den Amerikanern oder Koreanern überholen zu lassen. Chubachi glaubt an die Zukunft von Flachbildschirmen mit aktiv Licht abstrahlenden OLED-Anzeigen, die tatsächlich bisher nie gesehene strahlende Farben bei feinerer Auflösung erlauben – eine der ersten Anwendungen ist wegen des enormen Preises zunächst einmal die winzige Anzeige auf den Musikspielern der B100-Serie, doch eines Tages sollen richtige Fernseher folgen. Aber auch Mini-Bildschirme sind heute als Vertriebskanal nicht zu unterschätzen, wie die mobilen Videospieler zeigen.

Wenn das Sony-Management weiter auf seine jungen Leute in der Softwareabteilung hört, werden vielleicht schon bald wieder richtig heiße Neuheiten aus Tokio kommen. Dann bleibt auch das jüngste operative Plus kein Ausrutscher.

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