Inside: Telekom Austria
Hallo, Störungsstelle?

Hallo, ist da die Störungsstelle? Österreichs führender Telekommunikationsdienstleister Telekom Austria meldet sich nicht, wenn es um die Frage geht, wie er aus seiner strategischen Sackgasse herausfinden will. Natürlich kann so eine Panne mal passieren. Das Problem ist aber, dass es bei der Telekom Austria seit Monaten keine Antworten gibt.

Zwei Trends setzen dem Konzern nicht erst seit gestern zu: Der eine, den alle Telekom -Betreiber spüren, ist der Rückgang der Einnahmen aus dem Festnetz. Ihm können die Anbieter nur eine bessere Technik entgegensetzen, die die Attraktivität des Festnetzes erhöht. Schnelle Breitbandanschlüsse sollen wettmachen, was bei Telefonen aus dem Zeitalter der Dampfmaschinen verloren geht. Die Technik muss allerdings funktionieren und beherrschbar sein. Beides konnte die Telekom Austria zuletzt nicht immer gewährleisten.

Der zweite Trend, der gegen die Österreicher läuft, ist der Rückgang der Einnahmen aus dem Roaming-Tarifen bei Mobiltelefonen, die die EU gesenkt hat. Als Tourismusland, in dem viele Ausländer zum Handy greifen, waren die Roaming-Tarife einst eine sichere Bank für die Telekom Austria. Jetzt sind sie es nicht mehr. Das liest sich in der Bilanz so: Der Reingewinn schrumpfte 2007 bei 4,9 Milliarden Euro Umsatz um 12,3 Prozent auf 492,5 Millionen Euro. Und er wird - auch das ist eben ein Ausdruck von Ratlosigkeit, der vor allem Anleger abschreckt - auch 2008 um zwölf Prozent sinken. Nach einem kräftigen Kursrutsch ist die Aktie von Telekom Austria auf 14 Euro gefallen. Das ist der tiefste Stand seit 2004.

Was dem Management unter Boris Nemsic bislang dazu eingefallen ist, überzeugt nicht. Nemsic sucht sein Heil in Expansion. Nur sind die großen Märkte längst verteilt. Um die kleineren in Südosteuropa rangeln neben den Österreichern auch mal die Griechen und die Türken, und die Sache endet wie das Hornberger Schießen: Jeder kommt mal dran, keiner kommt voran. Nemsic?s Zukauf in Weißrussland geht dagegen hart an die Grenze dessen, was ein teilstaatlicher Konzern politisch noch vertreten kann und dürfte deswegen für viel Zündstoff und wenig Fortschritt sorgen.

Weil die Expansionsstrategie nicht aufgeht, sucht die Unternehmensberatung McKinsey nach Einsparmöglichkeiten. Dabei geht es wie immer auch um Arbeitsplätze, wobei aber die andere Falle, in der Ex-Monopolisten so oft stecken, zuschnappt: Bei Telekom Austria sind 6 500 der 9 700 Mitarbeiter in Österreich Beamte und damit so gut wie unkündbar.

Was fehlt, ist ein beherzter Schnitt, den etwa die Schweizer Swisscom gerade vorexerziert: Die Sparten hier Festnetz, dort Mobilfunk spiegeln das Verständnis eines Telekomunternehmens wider, das nicht auf der Höhe der Zeit ist. Es ist stets ein Kunde, der alle Angebote nutzen und sich an einen Ansprechpartner wenden will. Welche Technik und welche Abrechnungssysteme dahinter stecken, ist ihm egal. Beim Verzicht aufs Denken in Sparten steht die Telekom Austria jedoch derzeit noch auf der Leitung.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%