Intel-Konkurrent
Dresden vermiest AMD das Geschäft

Während die Konkurrenz gerade erst die Prognose erhöhte, läuft es beim US-Chiphersteller AMD nicht so rund wie gedacht: Die Firma muss Umsatz- und Gewinnziele kappen und schockt die Anleger. Das Problem liegt in Dresden.
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Sunnyvale/BangaloreFür AMD geht es vom Regen in die Traufe. Gerade erst hatte sich der kleinere Intel-Konkurrent nach Milliarden-Verlusten in den vergangenen Jahren gefangen. Jetzt gibt es Produktionsprobleme ausgerechnet in seinem einstigen Vorzeigewerk Dresden. AMD musste am Mittwochabend die Prognosen für Umsatz und Gewinn senken. Die Anleger reagieren geschockt - an der Börse verlieren die Papiere zeitweise mehr als zehn Prozent.

AMD hatte seine Werke in einen Auftragsfertiger mit dem Namen Globalfoundries ausgelagert. Jetzt hätten die Probleme in Dresden die Produktion der wichtigen neuen „Llano“-Prozessoren gebremst, hieß es. Für das zu Ende gehende dritte Quartal rechnet AMD jetzt noch mit einem Umsatzplus von vier bis sechs Prozent.
Zuvor waren noch zehn Prozent in Aussicht gestellt worden. Die Brutto-Gewinnmarge - also das Verhältnis von Umsatz und Gewinn - soll jetzt voraussichtlich zwischen 44 und 45 Prozent liegen, statt der ursprünglich erwarteten 47 Prozent. Die genauen Zahlen will AMD erst Ende Oktober bekanntgeben.

Harte Jahre mit hohen Verlusten

Die Probleme in Dresden habe es bei der Chip-Produktion mit modernen Strukturbreiten von 32 Nanometern gegeben, teilte AMD mit. Zudem habe der Einsatz gemeinsamer Technik dazu geführt, dass auch die bereits seit längerem erprobte 45-Nanometer-Produktion gebremst worden sei. AMD arbeite derzeit mit Globalfoundries zusammen, um die Schwierigkeiten zu lösen.

Der Intel-Konkurrent, der stabil etwa ein Fünftel des weltweiten Chip-Marktes hält, hat harte Jahre mit hohen Verlusten und Führungsproblemen hinter sich. Erst Ende August fand AMD einen neuen Hoffnungsträger für die Konzernspitze. Der neue Chef Rory Read ist 49 Jahre alt und kommt vom chinesischen Computer-Hersteller Lenovo.

Zuletzt brachte AMD die mit großem Aufwand entwickelte neue „Fusion“-Prozessorenfamilie auf den Markt, die das eigentliche Rechenherz eines Computers mit der Grafik kombiniert und dadurch mehr Leistung bei geringerem Stromverbrauch verspricht. Bei den Kunden scheinen die neuen Chips gut anzukommen. Allerdings musste AMD mit einem allgemein schwächelnden PC-Geschäft und einem andauernden Preiskampf fertig werden.

Erst am Vortag hatte der Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor dank einer guten Nachfrage seine Prognose für das dritte Quartal angehoben. Die Situation in der Chipbranche gilt als ein wichtiger Indikator für den Zustand der Wirtschaft, da ihre Produkte in einer Vielzahl anderer Wirtschaftszweige verwendet werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das Problem liegt bestimmt nicht an Dresden. Mangelnde Qualitäts - und nicht optimale Produktionsplannung oder noch nicht fertig geteste Entwicklungen sind wahrscheinlich die wahre Ursache. Die Verlagerung nach Auswärts von hochgenauen,Reinluftbauteilen und aufwendigen Produkten bedeutet immer einen sehr hohen Aufwand an Kontrolle.

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