Intensive Gespräche
NXP und Infineon kommen sich näher

Einen Schritt raus aus der Krise: Der verlustreiche Münchener Chiphersteller Infineon ist auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner schweren Krise offenbar ein Stück weiter gekommen. Nach Informationen des Handelsblatts sind Gespräche mit dem niederländischen Konkurrenten NXP über eine enge Zusammenarbeit in einer sensiblen Phase.

FRANKFURT/MÜNCHEN. Gegenstand der Gespräche sei aber nicht, wie in den vergangenen Tagen spekuliert, eine Übernahme von Infineon durch NXP oder umgekehrt. "Das Thema ist eine Zusammenlegung der operativen Geschäfte beider Konzerne", berichtete ein Insider. Das würde bedeuten, dass Infineon seine Beteiligung am hoch defizitären Speicherchiphersteller Qimonda nicht einbringen würde. Zudem bliebe die börsennotierte Aktiengesellschaft bestehen. Ein Infineon-Sprecher wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern.

Infineon steht seit Monaten unter Druck. Das Unternehmen hat es trotz jahrelanger Bemühungen bislang nicht geschafft, das Geschäft nachhaltig in die schwarzen Zahlen zu bringen. Angeblich will Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley deshalb Infineon-Chef Wolfgang Ziebart ablösen. Gleichzeitig, so wird spekuliert, forciere er ein Zusammengehen mit einem Wettbewerber.

Als aussichtsreichste Variante gilt derzeit eine Ehe mit NXP, dem ehemaligen Chip-Bereich von Philips. Die Niederländer hatten die Sparte vor zwei Jahren für rund 4,5 Mrd. Dollar mehrheitlich an ein Konsortium unter Führung der Finanzinvestoren KKR und Silverlake verkauft. Allerdings hat sich Ziebart dem Vernehmen nach gegen eine solche Lösung ausgesprochen. Er hält ein Zusammengehen mit NXP strategisch nicht für sinnvoll, da die beiden Konzerne zu stark im teuren Europa engagiert sind.

Dagegen verweisen andere Stimmen im Infineon-Umfeld darauf, dass sich die Geschäfte in einigen Sektoren ergänzen würden, zum Beispiel im Automobilbereich. Zudem würde NXP nach dem anstehenden Verkauf der Mobilfunksparte an ST Microelectronics für rund 1,6 Mrd. Dollar an flüssigen Mitteln verfügen, die eine gemeinsame Gesellschaft gut gebrauchen könnte. Infineon-Kenner berichten zudem davon, dass die Münchener vor zwei Jahren selbst unter Führung von Ziebart für die ehemalige Philips-Sparte geboten habe: "Infineon war damals die klare Nummer zwei im Rennen um NXP, alles war bereits durchkalkuliert und strategisch durchdacht."

Kritiker einer solchen Lösung monieren dagegen, dass der Deal vor allem einer Gruppe dienen würde: den Finanzinvestoren. Die können mit ihrem Engagement nicht zufrieden sein. Im Frühjahr hat KKR ein Viertel der Beteiligung abgeschrieben. Ein Ausstieg scheint momentan schwierig. Allerdings, so ist aus Finanzkrei-sen zu hören, denken KKR und Silverlake derzeit noch nicht an einen Abschied. "Es gibt eine Erklärung der Konsortial-Mitglieder, dass sie auch nach einem Infineon-Deal langfristig engagiert bleiben wollen", berichtet ein Banker.

Ob es am Ende mit NXP tatsächlich zu einem Abschluss kommen wird, ist offen. Aussagen über den Erfolg der Gespräche sind vor dem Hintergrund der personellen Querelen unmöglich. "Wer bei Infineon jetzt genau die Entscheidungen trifft, ist völlig undurchsichtig", heißt in Finanzkreisen.

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