Internethändler
Amazon prüft Einstieg in die Mode

Deutschlands größter Internethändler Amazon denkt darüber nach, auf eigene Rechnung ins Modegeschäft einzusteigen. Die Deutschlandtochter will sich noch unabhängiger machen vom Bücher- und CD-Verkauf – und nimmt den Kampf mit den großen Versandhäusern auf.

DÜSSELDORF. „Wir schauen uns derzeit genau an, welche Prozesse wir dafür aufbauen müssten“, sagte Amazons Deutschlandchef Ralf Kleber dem Handelsblatt.

Bislang ist die Tochter des Onlineriesen aus Seattle lediglich als Plattform-Anbieter für Handelspartner wie Mexx, Trigema, Palmers oder Klingel am Textilhandel beteiligt. Doch die Bedeutung des Mode-Einzelhandels im Internet steigt rapide. Wie die Nürnberger Marktforschungsfirma GfK berichtet, hat sich Bekleidung erstmals mit deutschlandweit 12,6 Mio. Käufern an der Produktkategorie Bücher vorbeigeschoben. Für sie interessierten sich zuletzt nur noch 12,4 Mio. deutsche Internetsurfer. Auch CDs, eines der Hauptsortimente von Amazon, rangieren bei heimischen Online-Shoppern mit 8,8 Mio. Nachfragen nur noch auf Platz drei.

Amazon-Landeschef Kleber kann diesen Trend im soeben veröffentlichten Quartalsbericht seines Konzerns ablesen. Zwar ging es im Auslandsgeschäft, das durch Deutschland, Großbritannien und Japan dominiert wird, wechselkursbereinigt um 28 Prozent nach oben. Bücher und CDs aber mussten sich mit einem vergleichsweise bescheidenen Plus von 17 Prozent begnügen. Deutlich stärker, nämlich um über 50 Prozent, legten die Sortimente Consumer Electronic, Schuhe, Sportartikel und Spielwaren zu.

Angst, sich mit der Sortimentsvielfalt zu verzetteln, hat Kleber nicht. Erst neulich stellte Amazon zusätzlich ein 100 000 Artikel umfassendes Büroartikel-Sortiment ins Netz, und gerade einmal drei Wochen ist es her, dass der Deutschlandchef einen Download-Service für Musik startete. In Eigenregie verkauft das Online-Kaufhaus längst nicht mehr alles. Rund ein Drittel aller Artikel gehen auf Rechnung von Fremdfirmen.

„Wir wollen möglichst alles verkaufen“, sagt Amazons Deutschlandchef – und erteilt damit den traditionellen Versandhändlern eine Kampfansage. Auch sie setzen beim Vertrieb mit Macht aufs Internet. Der Hamburger Otto-Versand etwa lag mit seinem Online-Geschäft im zweiten Halbjahr 2008/09 um 38 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Gut die Hälfte der Erlöse trifft dort via Internet ein, wie Versandhauschef Rainer Hillebrand berichtet. Und anders als Amazon bietet Otto im Schwerpunkt Modeartikel.

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