Interview mit Jeff Jarvis
„Murdoch hat den Journalismus irreparabel geschädigt“

News Corp. kann sich News und die Murdochs nicht mehr leisten, sagt der renommierte Professor und Journalist Jeff Jarvis. Mehr noch: Die journalistischen Töchter schaden sogar dem Ruf des ganzen Konzerns.
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Handelsblatt: Herr Jarvis, wie werden sich die Folgen des Abhörskandals in Großbritannien auf Rupert Murdochs Geschäfte in den USA auswirken? Sein Konzern News Corporation ist hier zu Hause, ebenso wie sein „Wall Street Journal“ ...

Jeff Jarvis: Viele konzentrieren sich gerade auf die möglichen juristischen Folgen in Großbritannien und in den USA. Ich denke jedoch, dass sich Murdochs Geschäft viel schneller verändern wird – lange bevor irgendwelche rechtlichen Entscheidungen getroffen werden.

Handelsblatt: Und wie?

News Corp. kann sich News und die Murdochs nicht mehr leisten, das ist meine These. Ich habe folgendes Szenario aufgestellt und betone, dass das Spekulationen sind: Nehmen wir an, das Kontrollgremium fordert und installiert ein unabhängiges Management. Dann würde jeder gescheite Manager feststellen, dass sich die journalistischen Töchter nicht mehr lohnen.

Und wie begründen Sie das?

Sie sind nicht besonders profitabel, sie sind ein kleiner Teil des Konzerns – und sie schaden dessen Ruf. Ein professionelles Management würde sich auf das Geschäft mit der Unterhaltung konzentrieren.

Dabei liegen doch gerade die Zeitungen Rupert Murdoch besonders am Herzen.

Murdoch fand das Geschäft mit Nachrichten aus zwei Gründen wertvoll: aus Prestige und, wie Jay Rosen (US-Medienkritiker, Anmerkung der Redaktion) sagt, als Lobby-Arm. Aber das scheint jetzt nicht mehr so gut zu funktionieren.

Wer würde denn das „Wall Street Journal“ oder die britischen Zeitungen kaufen wollen?

Das ist die große Frage. Wenn wir nach Großbritannien schauen – und ich spekuliere immer noch –, könnte vielleicht ein Oligarch Interesse an der einen oder anderen Zeitung haben. Beim „Independent“ war es auch so.

Und in den USA?

Ich denke, ein Manager von außen würde sich die „New York Post“ anschauen und binnen Sekunden entscheiden, sie zu schließen. Sie macht Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Der TV-Sender „Fox News“ ist für die republikanische Partei wertvoll. Ich könnte mir vorstellen, dass reiche Republikaner vielleicht einen Buy-out machen, um ihn am Leben zu erhalten.

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