Intrigenopfer
Leo Kirch: Von der Ehre eines Kaufmanns

Das Imperium schlägt zurück. Leo Kirch, darf einen kleinen, späten Triumph genießen. Es ist, wenn man so will, eine Frage der Ehre: die Geschichte vom ehrbaren Kaufmann, der sich vom findigen Bankier über den Tisch gezogen fühlt.

MÜNCHEN. Der Rache erster Teil, sie ist geglückt. Der Bundesgerichtshof hat Leo Kirch nicht nur einen begrenzten Schadenersatzanspruch zugesprochen. Er hat Rolf Breuer, den Ex-Chef der Deutschen Bank, auch in Mithaftung genommen. Deutschlands größtes Geldhaus hat damit noch ein Problem mehr am Hals, Leo Kirch aber, der von sich selbst sagt, er sei als Unternehmer gescheitert, darf einen kleinen, späten Triumph genießen. Denn höchstrichterlich hat er Recht bekommen, auch wenn er Ansprüche nicht für den Zusammenbruch seines ganzen Imperiums, sondern nur für die kleine Print Beteiligungs GmbH geltend machen kann (s. Grafik).

Ob und wie viel am Ende dabei herumkommt, das dürfte für den 79 Jahre alten Leo Kirch jedoch zweitrangig sein. Kirchs Imperium ist zerfallen, nur die private Insolvenz hat er vermeiden können. Umso bedeutsamer aber ist es, dass der Mann, den Kirch bis heute „den Rolf“ nennt, in drei Instanzen bescheinigt bekommen hat, unerlaubt gehandelt zu haben, als er Kirchs Kreditwürdigkeit öffentlich in Frage stellte.

Leo Kirch wird sich nun noch mehr in seiner Überzeugung bestätigt sehen, dass er und sein Imperium das Opfer einer Intrige geworden sind. Darum ist es ihm in seinem Rachefeldzug vor diversen Gerichten gegangen. Es ist, wenn man so will, eine Frage der Ehre: die Geschichte vom ehrbaren Kaufmann, der sich vom findigen Bankier über den Tisch gezogen fühlt. „Die Insolvenz hätte vermieden werden können“, das beschwört Leo Kirch bis heute. Und betrachtet man das, was aus dem Imperium geworden ist, könnte man dem alten Haudegen aus der Kardinal-Faulhaber-Straße in seiner Argumentation auch folgen.

Mit Hilfe der Deutschen Bank versucht der Axel-Springer-Verlag derzeit, Kirchs ehemalige Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 für 4,2 Mrd. Euro zu kaufen. Das Abonnentenfernsehen Premiere konnte, ehe es im Poker um die Bundesligarechte unterlag, manchen Achtungserfolg erringen. Kirchs einstiges Milliardengrab erreichte zwischenzeitlich die Gewinnschwelle. Die neuen Eigentümer, die Beteiligungsfirma Permira und Vorstandschef Georg Kofler, brachten den Sender vor knapp einem Jahr sogar an die Börse. Und auch die Ergebnisse der kleineren Sender können sich sehen lassen.

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