Investoren enttäuscht
Apple kann sich Tiefstapelei nicht mehr leisten

Es ist eine natürliche Entwicklung: Je größer ein Konzern wird, umso schwieriger ist es, weiter schnell zu wachsen. Das erlebt jetzt auch der Hersteller von iPad und iPhone. Apples Erfolgsgeschichte nutzt sich ab.
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San FranciscoVerrückte Welt: Es war für Apple ein Rekordquartal in jeder Hinsicht. Umsatz und Nettogewinn erreichten im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit 54,5 Milliarden Dollar und 13 Milliarden Dollar neue Bestmarken. Noch nie wurden mit 47,8 Millionen so viele iPhones und mit 22,9 Millionen so viele iPads in einem Quartal verkauft. Sagenhafte 137 Milliarden Dollar Barvermögen häufen sich jetzt auf den Apple-Konten, das ist mehr als die frühere Nummer eins der IT-Welt, Hewlett-Packard, in einem Jahr an Umsatz macht.

Jedes Unternehmen der Welt würde sich alle Finger danach lecken solche Zahlen auszuweisen. Und trotzdem erlebte die Aktie nachbörslich am Mittwoch ein Schlachtfest. Bis zu elf Prozent auf unter 460 Dollar brach der Kurs zeitweilig ein. Denn so positiv die Zahlen sind, immer mehr Investoren fürchten, dass die Luft für weiteres Wachstum dünner wird. Und die Anzeichen mehren sich, der Druck auf CEO Tim Cook steigt. Wo sind die neuen „Killer-Produkte“?

Die Zahlen belegen nach einer Auswertung von Bloomberg das geringste Gewinnwachstum seit 2009 und das schwächste Umsatzplus in 14 Quartalen. Wenn man auf dem Gipfel ist, wird es halt immer schwieriger höher zu klettern. Die Schätzungen für das laufende Quartal untermauern diese Annahme. Für den Zeitraum bis Ende März erwartet Apple nach eigenen Angaben einen Umsatz zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar. Das ist erwartungsgemäß geringer als im Weihnachtsquartal, aber im vergleichbaren Vorjahresquartal waren es auch schon 39,2 Milliarden Dollar. Im besten Falle rechnet CEO Tim Cook also mit einem Plus von rund zehn Prozent.

Erschwerend kommt noch eine überraschende Änderung der Ergebnisprognosen durch Apple hinzu. Gab es bis jetzt „konservative“ Schätzungen, die man mit Sicherheit erreichen konnte, werden ab jetzt laut Finanzchef Peter Oppenheimer Erwartungen veröffentlicht, von denen man ausgehe, dass man sie tatsächlich auch so ausweisen werde. Es ist also Schluss mit der jahrelangen Tiefstapelei, die dazu geführt hatte, dass Apple-Ergebnisse regelmäßig deutlich besser ausfielen als zuvor erwartet.

Die 43 Milliarden Dollar Umsatz sind tatsächlich der Wert, der aus heutiger Sicht der Dinge die Obergrenze darstellen wird. Das legt einen weiteren Schluss nahe: Wäre Apple bei der bisherigen streng konservativ-tiefstapelnden Linie geblieben, hätte man vielleicht eine Prognose unterhalb des Vorjahresquartals herausgeben müssen.

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  • Hierbei darf aber der Preis nicht vergessen werden. Ein Kaufpreis liegt m.E. bei frühestens 140-150€!! Hiervon ist die Aktie weit entfernt. In den übrigen Punkten haben Sie völlig Recht. Insbesondere die finanzielle Situation des Unternehmens ist beeindruckend.

  • Lieber Herr Dork,

    Pech gehabt. Bin überzeugter Apple-User seit über 20 Jahren. Das ändert nichts daran, dass ich wahrnehme, dass Apple mehr und mehr zum Big Brother_sprich Virus_mutiert.

    Ich sage offen meine Meinung und keiner bezahlt mich dafür.

    Wie sagt man so treffend im Englischen? : Things end.

  • Nachdem jetzt ein Schwall unfassbar kranker Meldungen in die Presse gedrückt wurde (TOTALABSTURZ!!!!! Trotz 43. Rekordquartal ohne Rückgang in Folge) schwemmen jetzt die Astroturfer die Foren, die angeblich seit 20 Jahren Apple benutzen und es plötzlich ganz entsetzlich finden.

    Interessant wäre, wer diese Kampagnen bezahlt. Samsung? Microsoft? Google?

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