Irische „Geisterfirmen“
Apple verteidigt seine Steuerpraxis

Dass Apple seine Milliarden auch cleveren Steuerstrategien verdankt, ist kein Geheimnis. Doch ein Ausschuss des US-Senats stellte nun fest: Apple zahle zum Teil gar keine Steuern. Konzernchef Tim Cook hält dagegen.
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WashingtonApple hat nach Auffassung amerikanischer Politiker durch ein komplexes Netz an Auslandsfirmen Milliarden Dollar an Steuerzahlungen gespart. Der Konzern betonte, stets im Rahmen der Gesetze zu handeln. „Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein und unseren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten“, sagte Konzernchef Tim Cook am Dienstag bei einer Anhörung in Washington. „Wir sind nicht auf Steuertricks angewiesen.“

Ein Ausschuss des US-Senats veröffentlichte vor der Sitzung ein 40-seitiges Dokument über das Unternehmen und dessen internationale Verflechtungen. Im Zentrum der Kritik stehen dabei irische Tochterfirmen, über die schon seit den 1980er Jahren große Teile des Auslandsgeschäfts abgewickelt werden. Irland ist für seine niedrigen Steuern bekannt, unter bestimmten Voraussetzungen werden sogar gar keine Steuern fällig. Alleine in den vergangenen vier Jahren seien deshalb mehr als 70 Milliarden Dollar an Einnahmen nicht besteuert worden, hieß es in dem Senatsbericht.

Der Ausschussvorsitzende Carl Levin sprach von „Geisterfirmen“, die Apple aufgesetzt habe, um sich vor Steuerzahlungen zu drücken. Die hauptsächliche irische Tochterfirma „reduziert unsere US-Steuern nicht im geringsten“, versicherte dagegen Cook. Die Firmenstruktur mache es schlicht einfacher, das Geschäft zu führen, ergänzte sein Finanzchef Peter Oppenheimer. „Unser Unternehmen ist etwas größer als das, was Steve Jobs vor vierzig Jahren in der Garage seiner Eltern gegründet hat“, sagte Cook.

Apple hat vor allem durch den Erfolg von iPhone und iPad einen Geldberg von 145 Milliarden Dollar angehäuft. Gut 100 Milliarden davon lagern außerhalb der USA. „Wir nutzen das Geld, um unser Auslandsgeschäft zu betreiben“, sagte Cook. Es sei außerdem zu teuer, das Geld bei einem Steuersatz von 35 Prozent in die USA zu holen. „Unser Steuersystem benachteiligt uns gegenüber unseren ausländischen Konkurrenten.“

Die Debatte um Apples Steuern war entbrannt, nachdem sich der Konzern jüngst für Zahlungen an seine Aktionäre 17 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt lieh, was bei den derzeitigen Zinssätzen billiger kam als das Geld aus dem Ausland zu holen. Cook versicherte aber, er sei „nicht vor dieses Komitee gezerrt worden“. Er sage den Leuten einfach gerne selbst, was bei Apple vor sich gehe.

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Senator: Kongress sollte sich bei Apple entschuldigen

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  • Irland ist wegen der Banken pleite gegangen, nicht wegen der dort ansässigen Firmen. Apple ist übrigens in Irland seit fast 30 Jahren und produziert(e) dort auch tatsächlich Computer. Meine ersten Macs kamen aus Irland und auch der Service passiert in Irland.

    Abgesehen davon: Das was Apple macht es _vollkommen_ legal. Auch wenn es nicht passt.

    Die Handlungen von Apple sind außerdem moralisch einwandfrei. Bevor hier im Forum jemand mit einer Moralkeule kommt: Erst beweisen, dass die betreffende Person _freiwillig_ mehr Geld ans Finanzamt überweist als er müsste.

    Und zuletzt: Freiwillig Geld nach Amerika holen, dort zu versteuern und anschließend wieder zurück z.B. nach Deutschland (etwa zur Aufbau eines neuen Apple Stores) ist Unsinn.

    Und nein, dass Problem sind nicht zu geringe Steuereinnahmen, sondern zu große Ausgaben. Würde die Politik auch nur annähernd so verantwortungsvoll mit Geld umgehen wie ein Unternehmer oder die Firma Apple, dann hätten die Staaten keine Finanzprobleme

  • Facebook Irland: Umsatz 1,29 Mrd. € / Gewinnsteuer 0,0032 Mrd. / Durchleitung zu den Caymans 540 Mio.

    (Zahlen v. 2011, Quelle: telegraph.uk vom 23.12.12)

  • In Irland wird mit 85 Mrd. "Eurorettung" ein parasitärer Steuervermeidungs-Zirkus alimentiert

    70% der Direktinvestitionen in Irland stammen von US-Unternehmen wie Pfizer, Microsoft oder Apple.
    Irlands Geschäft besteht darin, durch Lizenzakrobatik und (Schein-) Aktivitäten Gewinne von realen Konzern- und Leistungsorten wegzuverlagern ...hin zu Steueroasen wie den Caymans (Facebook) oder den Bermudas (Google).
    Irland dient dabei als "Zwischenlager" solcher Gewinne, da eine Verlagerung auf direktem Weg regulatorisch unterbunden ist.
    Die Konstruktion ist als "Double Irish" bekannt. Fährt das Geld einen weiteren Umweg über die Niederlande, spricht man von einem "Dutch Sandwich".
    Der jährl.Schaden für den US-Fiskus übersteigt 60 Mrd USD. Google dagegen erfreut sich an Steuerquoten um 2,4%. Das Modell ist so legal, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein kann.
    Irlands Steuerschieber lösten einen Ansiedlungsboom mit Immobienblase aus. Diese detonierte in den Bilanzen der Banken dort.
    In Irland wird nun mit 85 Mrd. "Eurorettung" ein parasitärer Steuerschieberbahnhof gerettet.

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