IT
Nokia bringt Mini-Laptop auf den Markt

Zuletzt hatte der Handy-Hersteller Nokia mit sinkenden Umsätzen und düsteren Prognosen von sich reden gemacht. Das soll sich ändern: Der finnische Konzern hat nun ein Mini-Laptop namens „Booklet 3G“ vorgestellt – und greift damit direkt die Marktgrößen Asus und Dell an. Es ist nicht der erste Ausflug in die Welt der Computer.

HB ESPOO. Nun steht es also fest, worüber bereits seit Monaten gemunkelt wurde: Nokia, der größte Handy-Hersteller der Welt, steigt in den Markt für die kleinen Netbooks ein. Wie der Konzern mitteilte, werde man mit dem „Booklet 3 G“ einen Laptop anbieten, der neben den üblichen Ausstattungsmerkmalen wie W-Lan auch über den Mobilfunkstandard UMTS verfügt.

Außerdem soll ein GPS-Modul in das kleine Aluminium-Gerät mit einem 10 Zoll-Schirm eingebaut werden. Glänzen möchte Nokia mit einer Batterielaufzeit von 12,5 Stunden. Außerdem will der finnische Konzern das Netbook mit einem hochauflösenden Display sowie einer HDMI-Schnittstelle ausrüsten. Vermutlich wird das neue Betriebssystem von Microsoft, Windows 7, installiert sein. Nokia will weitere Einzelheiten wie Lieferstart und Preis erst in der kommenden Woche bekanntgeben.

Mit dem Schritt wagt sich der Handy-Riese in einen umkämpften, aber schnell wachsenden Markt. Der Marktforscher IDC schätzt, dass in diesem Jahr weltweit etwa 26 Mio. Netbooks über die Ladentische gehen. Gleichzeitig warnen Analysten, dass die Margen in diesem Bereich äußerst gering und nicht mit denen bei Handys zu vergleichen sind.

Der Einstieg von Nokia in den PC-Markt geschieht nicht ohne Grund: Seit etwa einem Jahr kämpft der Branchenführer mit sinkenden Marktanteilen. Neue Herausforderer wie Apple mit seinem iPhone, Rim mit den Blackberry-Modellen und Handys mit dem Google-Betriebssystem Android setzen den Finnen zu. Deshalb bemüht sich Nokia, über Kooperationen das Vorpreschen der Neulinge zumindest zu bremsen. Erst vor einem knappen Monat gab Nokia eine Allianz mit Microsoft bekannt: So soll Microsofts Office-Bürosoftware, künftig auch auf vielen Nokia-Geräten laufen.

Mit dem Schritt auf den Netbook-Markt will der finnische Konzern auch sein Internet-Portal Ovi anschieben. Über das Portal können Musik, Videos, Spiele und Navigationskarten heruntergeladen werden. Der Ovi-Shop ist eine direkte Konkurrenz zu Apples iTunes-Store, der diesen Markt weltweit dominiert. Die Ovi-Software wird auf dem neuen Netbook von Nokia bereits vorinstalliert sein.

Die Ausflüge in die Welt der Computer waren für die Finnen bislang keine Erfolgsgeschichte: 1991 verkauften sie ihre damals relativ kleine PC-Sparte. Später stieg Nokia mit den auf dem Linux-Betriebssystem laufenden Tablets wieder ein. Doch auch diese Geräte wurden keine Verkaufsschlager. Ob das neue Netbook Erfolg hat, hängt nach Meinung von Experten auch davon ab, was die Konkurrenz in der Hinterhand hält: Gerüchte besagen, dass Apple bald mit einem Netbook mit berührungsempfindlichem Bildschirm auf den Mark kommt. Die Marktführer bei Netbooks, Asutek, HP und Dell arbeiten bereits an schnelleren Modellen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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