Italienische Medien
Berlusconi will das Meinungsmonopol

Berlusconis Fernsehunternehmen Mediaset möchte sich den letzten politisch unabhängigen Fernsehsender Italiens kaufen. Die Mitarbeiter protestieren und die Empörung ist groß.
  • 4

In Italien sorgt Silvio Berlusconi erneut für Aufruhr. Diesmal geht es nicht um Sexskandale oder ein politisches Comeback, sondern um sein Fernsehunternehmen Mediaset, das seine Macht ausweiten will. Wie am Wochenende bekannt wurde, plant der von Berlusconis Familienholding Fininvest kontrollierte Fernsehsender ein Übernahmeangebot für die Fernseh-Aktivitäten von Telecom Italia.

Damit würde Mediaset sich den einzigen politisch unabhängigen Fernsehsender La7 einverleiben. Bisher sind in Italien die großen Kanäle mit Rai entweder in der Hand des Staats oder gehören zu Mediaset. Im Satellitenmarkt dagegen dominiert Rupert Murdoch mit Sky. Nur La7 und MTV gehören in Italien der Telecom Italia. Doch dort will der Vorstandsvorsitzende Franco Bernabè Kasse machen und stellt die Mediasparte Telecom Italia Media zum Verkauf. Dazu gehören außer den Fernsehsendern La7 und MTV auch Multiplex-Kinos.

Der Wert der mit 200 Millionen Euro verschuldeten Sparte wird auf 450 Millionen Euro bis 500 Millionen Euro geschätzt. Bis zum 24. September sollen die Interessenten ihre Angebote vorlegen.

Zu den potentiellen Käufern gehört auch der Moiblfunkbetreiber 3 Italia, der Teil des chinesischen Konglomerats Hutchison Whampoa ist. Beobachter halten auch eine Allianz von 3 Italia und Mediaset für möglich. Als weitere Interessenten gelten Clessidra und andere Private-Equity-Fonds.

La7 hat in den vergangenen Jahren deutlich an Marktanteil dazu gewonnen. Mit mehr als vier Prozent Share bleibt der Sender zwar immer noch ein kleiner Spieler, aber die Tendenz ist steigend. Das gleiche gilt für den Anteil an den Werbeeinnahmen, die derzeit bei drei Prozent liegen.

Der Sender hat von Rai und Media-set auch große Namen wie die Moderatoren Lilli Gruber und Enrico Mentana abgeworben. Sie sind vor allem wegen der Unabhängigkeit zu dem kleinen Sender gewechselt, bei dem weder die jeweilige Regierung noch Silvio Berlusconi hereinredet. Mentana hat bereits seinen Rücktritt angekündigt, sollte Berlusconi die Herrschaft übernehmen. Auch andere Kollegen rufen nach der Wettbewerbsaufsicht, die einen Einstieg des Ex-Premiers und mächtigen Medienunternehmers verhindern soll.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Italienische Medien: Berlusconi will das Meinungsmonopol"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was ist denn die richtige Schiene, ARD oder RTL?

    Oder die Angst des Handelsblatts vorm User, das nun mit zensuristischen Maßnahmen vorgibt, wozu sich der digitalisierte Konsumtrottel äußern darf und wozu nicht?

    Die einzige Schine, welche die Medien kennen. ist die der geistigen Einfalt. Deshalb spielt es keine Rollen, ob Berlusconi oder ein andere Nazi die Medien regiert.





  • Ich wüsste wo Berlusconi gut aufgehoben wäre: 2 Meter unter der Grasnarbe.

  • La7 ist italienischer Rotfunk; die Gruber und Santoro waren zwischenzeitlich auch Europa-Abgeordnete der Ex-Kommunisten PD; Formigli, Dandini, Telese & Co sind alle Linksausleger, die groesstenteils von Rai 3 kommen; der Rotfunk bringt aber oekonomisch kein Ergebnis, weil niemand in dieser merda werben will; im letzten Jahr haben die bei 240 Milloenchen Umsatz schon eine Verlust von 80 Millionen geschoben ... und 2012 wird deutlich schlechter. Mediaset ist in der Lage, einen solchen Sender konzeptionell auf die richtige Schiene zu setzen. Wenn die Mehrheit der Italiener nicht die Sch.... voll haette von diesen radikalchic-Kommunisten, haetten die u.U. schon einmal irgendwann eine Wahl gewonnen ... und Berlusconi waere politisch vielleicht nie hochgekommen. Aber die Linken in Italien koennen es halt nicht ... bei allem sponsoring der deutschen Einheitspresse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%