Kampf gegen Sonys Blu-Ray Disk geht in die heiße Phase
Punktsieg für Toshiba bei DVD-Standard

Im Kampf um den Standard für das künftige Speichermedium für Filme hat Toshiba einen Sieg errungen: Vier Hollywood-Studios haben sich entschieden, Filme in Toshibas HD-DVD Format herauszubringen.

TOKIO. Das teilten gestern die Studios Paramount Pictures, Universal Pictures, Warner Bros. Studios und New Line Cinema und der japanische Elektronikkonzern Toshiba, der das neue Format unterstützt, mit.

Mit ihrer Entscheidung bescheren die US-Studios dem Konsortium um Toshiba einen wichtigen Erfolg. Toshiba, NEC und Sanyo wollen als Nachfolger der heutigen DVD die so genannte HD-DVD durchsetzen, die auf einer ähnlichen Technik beruht, aber unter Verwendung blauer Laserstrahlen größere Speicherkapazität bietet. Dagegen versucht Sony, die so genannte Blu-Ray Disc als neuen Standard zu etablieren. Dabei hat Sony wichtige Elektronikanbieter wie Matsushita, Philips, Samsung Electronics und LG Electronics mit im Boot. Beide Technologien – HD -DVD und Blu-Ray – sind bisher nicht kompatibel.

Welche Technologie die Hollywood-Studios für ihre Filme wählen, wird ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung darüber sein, welcher Standard sich durchsetzen kann. Bisher lag Blu-Ray im Vorteil: Mit den Sony-eigenen Columbia Pictures und den kürzlich im Konsortium erworbenen MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) sind wichtige Hollywood-Studios mit ihrem Filmbestand bereits Blu-Ray-Anhänger. Im Oktober trat dann auch Twentieth Century Fox Film der Blu-Ray-Fördergruppe bei. Allerdings will Besitzer Fox zweigleisig fahren und auch den HD-DVD-Standard weiter unterstützen.

Klar ist nun: Hollywood hat sich nicht geschlossen hinter einen Standard gestellt. Ein Sony-Sprecher sagte, die Entscheidung der vier Studios sei noch keine endgültige Absage an die Blu-Ray-Disc. Die Studios könnten parallel Filme auf Blu-Ray Discs herausgeben. Genau das wollten die Hollywood-Studios vermeiden und hatten auf eine Einigung im Standardkampf gehofft, weil sie sonst Verwirrung für den Kunden befürchten. Erinnerungen an die späten siebziger Jahre werden wach, als Sonys Betamax-Videokassetten, die damals auch Toshiba unterstützte, schließlich den Standardkampf gegen den VHS-Standard von JVC (Japan Victor) verlor. Bei der heutigen DVD wurden die weltweit drei verschiedenen Formate über Software gegenseitig kompatibel gemacht. Bei Blu-Ray und HD-DVD scheint dies jedoch auf grund der unterschiedlichen Hardware schwierig.

Für die Blu-Ray Disc spricht eine größere Speicherkapazität und ist durch mehrere Aufnahmeschichten leichter nach oben erweiterbar. „Nur so kann das neue Format zehn- bis fünfzehn Jahre Bestand haben", meint Sony-Sprecher Taro Takamine. Dagegen kann für die Produktion der HD-DVD kostensparend ein Großteil der Technologie der DVD-Produktion verwendet werden. Mit der Verbreitung von hochauflösendem Fernsehen wird der Speicherplatz auf einer herkömmlichen DVD nicht mehr ausreichen.

Für Warner Bros. gaben Qualität, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit nach jahrelanger Prüfung den Ausschlag für HD-DVD. Universal will seine ersten Titel auf HD-DVD bereits 2005 auf den Markt bringen, Paramount Anfang 2006. Der bessere Kopierschutz ist ein Grund, weshalb die Studios trotz des boomenden DVD-Markts so früh zu der neuen Technologie greifen.

Sony und die Blu-Ray-Partner sind jedoch nicht geschlagen. Die meisten Hardware-Hersteller haben sich zunächst für das Sony-Format entschieden und bereits die ersten Recorder auf den Markt gebracht. Zudem nutzt Sony seine breite Aufstellung im Film-, Computerspiel- und Unterhaltungselektronikmarkt, um ihr Format durchzuboxen. Die neue Playstation soll 2005 bereits auf Blu-Ray-Format beruhen. Mit Singulus aus Deutschland besteht bereits ein enges Abkommen, ab 2005 die Produktionsmaschinen für Blu-Ray-Disks zu liefern. Eine zweite Betamax-Erfahrung will Sony vermeiden.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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