Kampf um Fachkräfte
Google lockt mit fürstlichem Gehalt

Der Wettbewerb um Fachkräfte wird in der Internetbranche mit harten Bandagen geführt. Google bietet Mitarbeitern nun zehn Prozent mehr Lohn und als Sahnehäubchen einen Weihnachtsbonus. Denn im Silicon Valley muss man investieren, um die besten Talente zu ködern.
  • 0

DÜSSELDORF. Google erhöht seinen Angestellten pauschal das Gehalt um zehn Prozent. Dazu gibt es einen Weihnachtsbonus von 1 000 Dollar. Das geht aus einer E-Mail hervor, die CEO Eric Schmidt an die Mitarbeiter verschickt hat und die dem "Wall Street Journal" vorliegt. Um die Gehaltserhöhung zu finanzieren wird eine Teil der jährlichen Bonuszahlungen in Festgehalt umgewandelt.

Die Aktion zeigt, wie scharf der Wettbewerb um Fachkräfte in der Internetbranche ist. Im Silicon Valley muss man schnell sein: Als Google im Oktober seine Sofort-Funktion in der Internetsuche vorstellte, saß auch Feross Aboukhadijeh in seiner Studentenbude in Stanford und sah sich die Präsentation am PC im Internet an.

Das kann ich auch, wettete er mit seinem Freund und hatte nach wenigen Stunden das Gleiche für die Videoplattform Youtube entwickelt. Eine Suche, die schon sucht, wenn man noch tippt. Er verbreitete seine Idee per Twitter. Nur einen Tag später hatte er, ebenfalls per Twitter, ein lukratives Job-Angebot von Youtube-Gründer Chad Hurley. "Ich werde das Angebot annehmen", schrieb er wenig später auf seiner Webseite, "und mein Studium beenden." Warten, bis Aboukhadijeh fertig war, wollte Hurley offenbar nicht. Das hat einen Grund: Der Elite-Student absolviert gerade ein Praktikum bei Facebook, dem schärfsten Konkurrenten.

Es herrscht Krieg. Krieg um die besten Talente. Allein 1 500 Top-Kräfte für Softwareprogrammierung und Werbeverkauf hat der Internetgigant Google nur im vergangenen Quartal eingestellt. Zwar arbeiten bereits über 23 000 Menschen bei Google rund um die Welt an der Entwicklung der neuen digitalen Weltordnung, doch Google CFO Patrick Pichette denkt nicht daran langsamer zu werden. Im Gegenteil: Bei Einstellungen wurde sogar noch "einen Gang höher geschaltet". "Wir überlegen permanent, wie wir die besten Köpfe bekommen und halten können", sagte Pichette vor kurzem vor Analysten. Die Begründung ist ganz einfach: "Das wird in unserer Industrie die Gewinner von den Verlierern unterscheiden."

Der Markt für hochqualifizierte Internetspezialisten ist leer gefegt. "Das explosionsartige Wachstum der digitalen Industrie", so Pichette, "hat einen Kampf um Talente entfacht, der sich völlig diametral zum Rest der Wirtschaft entwickelt. Und es wird nur noch schlimmer in den nächsten 18 Monaten."

Früher reichten kostenlose Snacks, kalifornische Sonne, ein gutes Betriebsklima und hohe Gehälter, um die Absolventen der Elite-Universitäten in das riesige Googleplex zu locken. Das ist längst nicht mehr genug. An jeder Ecke bieten Start-up-Unternehmen oder Groß-Konzerne aus der alten Welt auf der verzweifelten Suche nach der neuen Welt jungen Talente gut bezahlte Jobs an, winken Aktienoptionen und Gewinnbeteiligungen. Fallende Sterne der Web-Branche wie etwa Yahoo oder AOL erleben dagegen einen konstanten Aderlass an Hochqualifizierten.

Ein sicherer Job im Silicon Valley

Für kleine Unternehmen wird es immer schwieriger, sich gegen den Talentstaubsauger Google zu behaupten. Nir Zuk, Gründer und Chef des Web-Spezialisten Palo Alto Networks, gibt sogar Firmen wie Google und Yahoo die Schuld an dem Desaster: "Deren Strukturen sind einfach zu ineffektiv. Niemand kann mir sagen, warum bei Google 23 000 Menschen an deren Produkten arbeiten müssen."

Sein Start-up, 2005 gegründet, mit gut 100 Mio. Dollar Umsatz und spezialisiert auf Social-Media-Firewalls für Unternehmen, muss deshalb kreativ sein. "Wir geben unseren Mitarbeitern die Garantie, dass wir nur im Silicon Valley neu einstellen", sagt er. Das motiviere ungemein. "Es ist hier eine beliebte Strategie, nach Indien oder China zu gehen und dort entwickeln zu lassen", sagt der gebürtige Inder. "Das steigert aber nicht die Qualität, sondern senkt nur die Kosten, weil in den USA Stellen abgebaut werden. Was nutzt das Versprechen von goldenen Gehaltsschecks, wenn man nach einem Jahr wegrationalisiert wird? Wer bei uns arbeitet, der fühlt sich wie in einer Familie."

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Kampf um Fachkräfte: Google lockt mit fürstlichem Gehalt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%