Kauf von Youtube
Google weckt ungute Erinnungen

Google hat eine Milliardensumme für die Video-Website Youtube hingeblättert: für ein Unternehmen, das kaum Umsatz und vermutlich keinen Gewinn macht. Experten warnen bereits vor einer Überhitzung der Internetbranche, denn nachvollziehbare Geschäftsmodelle spielten momentan keine Rolle mehr. Manch einer fühlt sich in die New Economy zurückversetzt.

DÜSSELDORF. „Google ist wahnsinnig, dieses Geschäft mit Youtube zu machen“, kritisiert der Internetmilliardär Mark Cuban. Auch vom Handelsblatt befragte Analysten sehen sich außer Stande zu erklären, warum der Suchdienst Google für den Kauf der Videoseite Youtube 1,65 Mrd. Dollar zahlt. Der Preis entspricht dem 122fachen Umsatz, den die Videoseite erzielt. „Wir wissen nicht, ob der Preis angemessen ist, und wir werden es auch längere Zeit nicht wissen“, sagt Internetexperte Ben Schachter von der Investmentbank UBS. „Das Ganze ist eine große Wette.“

Die Regeln bei dieser Wette sind allerdings unklar. Google lehnt Anfragen nach dem Bewertungsmodell für Youtube ab. Die zuständige Google-Managerin Joanna Shields sagte dem Handelsblatt lediglich: „Wir halten den Preis für realistisch.“

Google will nicht einmal den Umsatz des Kaufobjekts nennen. Nach Schätzungen des Analysten Imran Khan von der Investmentbank JP Morgan wird Youtube 2006 bei einem Umsatz von 13,5 Mill. Dollar einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,5 Mill. Dollar schreiben. 2007 werde es aber ein positives Ergebnis geben.

Parallelen zur Internetblase

Der Kaufpreis, den Google-Chef Eric Schmidt zahlen wird, erinnert an die astronomisch hohen Übernahmepreise während der Internetblase von 1999. Damals hatte Yahoo 3,6 Mrd. Dollar für den Internetdienst GeoCities gezahlt. Der Internetanbieter At Home kaufte für 6 Mrd. Dollar das Portal Excite. Bis auf Yahoo sind die Firmen heute pleite oder bedeutungslos.

Eine zweite Parallele: Damals wie heute werden die Milliardenübernahmen nicht mit Bargeld, sondern mit Aktien gezahlt. Obwohl Google 9 Mrd. Dollar an flüssigen Mitteln hat, wird sie Youtube mit eigenen Aktien kaufen. Google ist an der Börse mit mehr als 130 Mrd. Dollar extrem hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist fast dreimal so hoch wie beim Durchschnitt der 500 größten US-Unternehmen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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