Kein Akademiker
Peinlicher „Fehler“ in Biografie des Yahoo-Chefs

Er soll den kriselnden Internetkonzern Yahoo neu gegen Facebook und Google aufstellen. Doch ist er gut genug gewappnet? Yahoo-CEO Scott Thompsons Informatik-Studium in seinem offiziellen Lebenslauf hat er nie absolviert.
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New YorkZu den geschäftlichen Turbulenzen von Yahoo kommt jetzt auch noch ein Problem in der Chefetage dazu. Der Internet-Konzern musste zugeben, dass sein neuer Chef Scott Thompson entgegen bisherigen Angaben keinen Titel in Computerwissenschaften hat. Die falsche Information sei ein „unbeabsichtigter Fehler“ gewesen, erklärte Yahoo dem Blog „All Things Digital“ am Donnerstag. Zuvor hatte der Investor Dan Loeb, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt, auf Ungereimtheiten in der offiziellen Biografie Thompsons hingewiesen.

Für Yahoo könnte die Angelegenheit schwere Folgen haben. Es ist unklar, ob sich Aktionäre und Aufseher mit der knappen Erklärung zufriedengeben. US-Medien wiesen darauf hin, dass der falsche Titel schon zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform Ebay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. Entsprechend viel Zeit hatte der Manager, den Fehler zu korrigieren. In Wirklichkeit hatte er einen Abschluss in Buchhaltung gemacht.

Loeb wies in einem süffisant formulierten Brief darauf hin, dass Thompsons Stonehill College erst vier Jahre nach dessen Abschluss 1979 überhaupt angefangen habe, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben.

Thompson kam Anfang des Jahres als großer Hoffnungsträger zu dem mit Rückgängen kämpfenden Internet-Pionier. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. Und in diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google und zuletzt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden. Thompson leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren gefeuert worden war.

Yahoo stärkte Thompson ausdrücklich den Rücken. Der falsche Titel ändere nichts an der Tatsache, dass Thompson ein hochqualifizierter Manager sei. Unter seiner Führung sei Yahoo auf dem Weg zu weiterem Wachstum und mehr Wert für die Anteilseigner.

Der nicht korrigierte falsche Titel Thompsons wirft auch einen Schatten auf Verwaltungsrats-Mitglied Patti Hart, die mit der Chefsuche betraut worden war. Schlimmer noch: Loeb behauptete in seinem Brief, Hart habe auch ihren eigenen Abschluss in Betriebswirtschaft für einen in Ökonomie und Marketing ausgegeben. Yahoo erklärte dazu, Hart habe tatsächlich einen Betriebswirtschafts-Abschluss, aber mit einer Spezialisierung auf Ökonomie und Marketing.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kein Akademiker: Peinlicher „Fehler“ in Biografie des Yahoo-Chefs"

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  • @jbherget
    Erstmal schöne Eigenwerbung und auch noch umsonst. Kein guter Stil.

    @Thema
    Das Datamassaging ist doch für die Position und vor allen Dingen vor so langer Zeit irrelevant.
    Sehe daher das Problem nicht, der Mann wurde dich nicht wegen seiner 40 Jahre zurückliegenden Abschlüsse eingestellt.
    Und die Arbeitgeber besonders in D, wollen doch belogen und betrogen werden, denn sie lügen und betrügen ja auch was das Zeug hält, da werden Referenzen (von größeren Firmen) gefordert und dann wird dort unverblümt akquiriert und man beruft sich auf den Bewerber als angeblichen Geschäftspartner.
    Und wenn ich jbherget lese, bin ich froh in Canada im Berufsleben zu stehen, da genügt auch für Führungspositionen der Lebenslauf und meist drei Referenzen, kein Arbeitszeugnis keine schmuddligen Nachforschungen, da wird angerufen wenn überhaupt und gut ist es. Im Prinzip sieht man eh erst im Job, ob der Kandidat es bringt oder nicht.


  • In diesen offiziellen Firmenbiographien bei US-Firmen und Firmen, die mit dem US-Markr zu tun haben, wird geschoent und gelogen. Da hat auch niemand ein Unrechtsbewusstsein. Es gibt so eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man solche luegen nicht aufdeckt; meist funktionierts, aber gelegentlich kommt eben einer, er selbst nicht gelogen hat, und der kann dann genuesslich die anderen in die Pfanne hauen. Too bad, aber Mitleid waere hier fehl am Platz.

  • Bereits vor mehreren Wochen haben wir hierzu ernüchternde Erkenntnisse kommuniziert. Fakt ist, dass in zunehmendem Maße Kandidaten (m/w) Unterlagen manipulieren. Und wenn´s auffliegt, wird´s einfach "verziehen" - und alles ist erledigt. Leider gibt es nur selten wirklich spürbare rechtliche Konsequenzen.

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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