Klagen gegen Microsoft
Geübt in Vergleichen

Geht es um Klagen, ist bei Microsoft seit fünf Jahren Konzilianz angesagt. Noch unter seinem ersten Chefjuristen Bill Neukom, hatte der Softwareriese Kläger eisenhart abgebürstet. Doch dann kam die Kartellklage des Washingtoner Justizministeriums und verschiedener Bundesstaaten von 1998 und der Schock der Verurteilung als Monopolist im folgenden Jahr.

HB PORTLAND. Nur durch einen Vergleich konnte der Konzern 2002 der richterlich verfügten Aufspaltung entgehen. Der verbot dem Softwareriesen viele seiner früheren Geschäftspraktiken und unterstellte ihn befristet der Überwachung durch ein Gericht.

Doch Mitte 2002 löste Brad Smith Neukom als Chefjurist ab. Seitdem griff Microsoft oft und tief in die Taschen, um aus Feinden Freunde zu machen. Rund vier Mrd. Dollar ließ sich das Unternehmen bislang diese neue Strategie kosten.

Alleine die medienwirksame Verurteilung als Monopolist zog einen Rattenschwanz an Sammelklagen von Softwarekäufern und von Bundesstaaten im Namen von Verbrauchern nach sich. Sie alle fühlten sich durch Microsofts angebliche Monopolpreise geschädigt. Eine teure „Prozesskette“: Der Vergleich mit Kalifornien kostete die Redmonder zum Beispiel 1,1 Mrd. Dollar, der mit Iowa 180 Mill. und der mit Arkansas immerhin noch 38 Mill. Dollar.

Insgesamt legte Microsoft in den zurückliegenden Jahren etwa 200 private Sammelklagen auf Schadensersatz bei, zum größten Teil durch Gut-scheine für Software oder durch die Spende von Computern für bedürftige Schulen.

Auch die laufenden Kartellklagen von Wettbewerbern arbeitete Smith systematisch ab. So wurde die Klage des Browser-Pioniers Netscape, der mittlerweile zu AOL/Time Warner gehört, für 750 Mill. Dollar beigelegt. Mit dem Erzrivalen Sun Microsystems einigte sich Microsoft für rund 1,9 Mrd. Dollar, und der Anbieter von Mediaplayer-Software, RealNetworks, wurde mit 760 Mill. Dollar abgefunden.

Der Computerhersteller Gateway erhielt 150 Mill. und der Softwarekonkurrent Novell 536 Mill. Dollar. IBM wiederum – der IT-Riese hatte geklagt, weil sich Microsoft aus der gemeinsamen Entwicklung des Betriebssystems OS/2 zurückzog, angeblich um ihr Windows-Monopol zu festigen – sackte 775 Mill. Dollar ein.

Selbst der kleine Berufsverband „Computer and Communications Industry Association“, der sich als rühriger Microsoft-Gegner im jetzt wieder aktuellen Verfahren vor der EU einen Namen gemacht hatte, strich die Segel. 25 Mill. Dollar kassierte er, nachdem vorher bereits Einigungen mit Sun Microsystems, Novell und RealNetworks erzielt worden waren. Damit haben sich mittlerweile praktisch alle Nebenkläger aus dem EU-Verfahren verabschiedet.

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