Kommentar Apple
Verwundbarer Riese

Ohne Steve Jobs ist Apple verletzlicher als vorher. Denn wenn die hymnische Verehrung für das Unternehmen und seinen Chef abflaut, werden die wahren Probleme sichtbar.
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Er ist der Magier der IT-Manager, der iGod: Steve Jobs tritt bei Apple ab, nachdem er sein Unternehmen von Höhepunkt zu Höhepunkt getrieben hat. Erst vor gut zwei Wochen war Apple zum wertvollsten börsennotierten Konzern der Welt avanciert. Als Jobs 1997 nach zwölfjähriger Absenz zurückkehrte, hatte das Unternehmen kurz vor der Pleite gestanden. Der Chef, seine Firma und die Marke - nirgendwo in der Unternehmenswelt ist dieses Dreigestirn so sehr eins wie bei Apple. Mit dieser Dreieinigkeit gelingt es Apple, sogar Marktgesetze auszuhebeln und Produkte zu verkaufen, die technisch weniger brilliant sind, als sie angepriesen werden.

Deswegen ist der Konzern ohne Jobs an der Spitze künftig verletzlicher als vorher. Ohne Jobs - da drohen Karrieren wie die von Nokia, die vor gar nicht allzu langer Zeit auch einmal als Ikone gegolten haben. Dann kam Apple, wurde Marktführer bei Smartphones - und die Finnen haben ernsthafte Probleme und verlieren dramatisch Marktanteile. Microsoft wirkte auch einst übermächtig. Doch der Aufstieg des Giganten ist seit längerem gestoppt - weil die Wachstumsphantasie fehlt. Der IT-Riese ist zudem ein Beispiel dafür, dass Unternehmen mit zunehmender Größe träge werden.

Diese Beispiele sind es, die Anleger jetzt nachdenklich machen. Obwohl die Gesundheitsprobleme von Jobs seit längerem bekannt sind und er seinen Rückzug auf Raten bereits eingeleitet hatte, schockiert sie deswegen der Abgang von Jobs. Sie wissen: Auch Apple wird nicht immer noch einen und noch einen draufsetzen können. Nicht jede Wette des Konzerns wird so aufgehen, wie es einst beim iPod der Fall war, auf den das Unternehmen sein halbes Entwicklungsbudget gesetzt hatte. Ungewohnt harte Konkurrenz ist Apple etwa bei Betriebssystemen für Smartphones mit Google Android erwachsen. Bei einem neuen Trend, dem Cloud Computing, hinkt Apple den Rivalen Amazon und Google hinterher und will mit einem gefährlichen Mittel kontern: Kampfpreisen.

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Verwundbarer Riese

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Fluch des Wachstums

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  • Apple ist nicht nur einfach im Design besser, Apple ist vor allem auch technisch besser,benutzerfreundlicher und innovativer. Apple hat schon lange vor dem iPod Kultstatus und das, verglichen mit den Mitbewerbern, zu Recht. Ich bin seit 1995 ein "Macianer" und bis heute kenne ich kein besseres, stabileres und benutzerfreundlicheres PC-System als das des Mac, das darüber hinaus im graphischen Bereich auch noch viel mehr kann als die Jungs und Mädels von Microsoft zu bieten haben. Meine Frau hat einen Windows 7-Rechner. Mindestens ein Mal im Monat muss ich ihr helfen, weil der Rechner irgendwie hängt. Bei Mac habe ich das in 16 Jahren kein einziges Mal tun müssen.

  • Vergleiche man doch einfach einmal den Addiletten-King von Facebook mit Jobs, der Abstand ist nicht einmal peinlich, da gibt es eigentlich keinerlei Verbindung, Glutamat versus Kräutergarten.

    Zensur? schaue man sich Google einmal genauer an: was nicht zum Werbeuniversum passt wird ausgegrenzt, oder das Ranking leidet eben.


  • Timo Andresen hat einen schnellen Artikel ohne die notwendige Recherche und die erforderlichen Kenntnisse über die IT-Branche geschrieben. Microsoft etwa ist nicht ein Opfer seiner Größe geworden, sondern muss den Preis dafür zahlen, dass man jahrelang versucht hat, das PC-Geschäft zu schützen. So ist es nur folgerichtig, dass Microsoft bei fast allen Internet-Anwendungen den Wettbewerbern folgt, anstatt selber die Richtung vorzugeben. Es ist auch abwegig, Amazon und Apple beim Cloud-Computing auf eine Stufe zu stellen. Amazon bietet Speicherplatz auf einem Server an, Apple leistet viel mehr: Datensicherung, Wiederherstellung des Systems, automatische Synchronisierung auf allen (Apple-) Geräten. Diese Beispiele sollen reichen. Kein Unternehmen ist vor falschen Entscheidungen sicher, aber düstere Wolken kann ich nicht für Apple heraufziehen sehen.
    Erich R.

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