Kommunikationssparte
Siemens streicht weitere Com-Stellen

Der Siemens-Konzern baut in seiner seit langem kriselnden Kommunikationssparte im Inland noch einmal weitere 1000 Stellen ab. Der Abbau von Arbeitsplätzen sei unvermeidlich, um im internationalen Preiswettbewerb bestehen zu können, hieß es.

HB MÜNCHEN. Die Jobs sollen in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung wegfallen, teilte der Konzern am Freitag in München mit. An welchen Standorten gekürzt wird, sei noch offen, sagte ein Sprecher. Siemens will die Kosten drücken, um im harten Preiswettbewerb der Branche mitzuhalten. Im vergangenen halben Jahr waren bereits 1 500 Stellen bei der größten Siemenssparte mit rund 55 400 Mitarbeitern weltweit weggefallen.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte bei der Vorlage der Quartalsergebnisse am Donnerstag bereits zusätzlichen Stellenabbau bei Com angekündigt, ohne eine Größenordnung zu nennen. Das Bereichsergebnis war von 108 auf 27 Mill. Euro eingebrochen. Die Restrukturierung verschlang erneut Millionenbeträge.

Die zweite Abbauwelle innerhalb eines Jahres nannte Siemens unvermeidbar. Seit der Zusammenlegung des Mobilfunks- und Festnetzgeschäfts zur Com-Sparte Ende 2004 seien Arbeitsabläufe gestrafft und Doppelarbeiten beendet worden. Dadurch ergäben sich jetzt weitere Einschnitte beim Personal. Durch den technologischen Wandel fielen „2006 und in absehbarer Zukunft“ weitere Arbeiten in Fertigung, Montage und Wartung weg. Ob dies zusätzlichen Stellenabbau bedeute, wollte der Sprecher nicht sagen. Die Sparte soll sich künftig auf Wachstumsfelder wie Fernsehen übers Internet oder superschnelle UMTS-Verbindungen konzentrieren.

Wo und zu welchen Bedingungen die rund 1 000 Jobs wegfallen, soll eine Verhandlungsdelegation aus Vertretern der Firmenleitung und der Belegschaft aushandeln. Com hat Standorte in ganz Deutschland, darunter in München, Berlin und dem Ruhrgebiet. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich ablaufen, betonte der Siemens-Sprecher. Die Möglichkeit, die betroffenen Mitarbeiter im Konzern weiter zu beschäftigen, werde dabei auch geprüft.

Wie alle anderen Sparten muss Com nach Kleinfelds Willen bis April 2007 ehrgeizige Renditeziele erreichen. Das verlustreiche Handygeschäft verschenkte der Manager, der als harter Sanierer gilt, im vergangenen Sommer an die taiwanesische Firma BenQ. Immer wieder wird spekuliert, Kleinfeld könnte erneut Teile der seit langem kriselnden Sparte verkaufen oder sie komplett abstoßen. Motorola, Ericsson, Nokia oder Nortel sind als mögliche Interessenten im Gespräch. Kleinfeld lehnte zuletzt ein eindeutiges Bekenntnis zu Com ab.

Weiteres Sorgenkind bei Deutschlands größtem Elektronikkonzern ist die IT-Tochter SBS. Sie steckt als einzige Sparte in den roten Zahlen und vergrößerte ihre Verluste sogar. Kleinfeld hat SBS bis Ende 2007 Einsparungen von 1,5 Mrd. Euro verordnet, vor allem durch die Streichung von 2 400 Stellen in Deutschland und 3 000 im Ausland. Am Freitag berichtete das Magazin „Focus“ vorab, Siemens wolle die Sparte auflösen und die 34 000 Mitarbeiter im Konzern verteilen. Ein Firmensprecher wies dies zurück: „Das ist haltlos.“

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