Konzern baut radikal um
Tschüss Google, hallo Alphabet

Google erfindet sich neu. In einem Radikalumbau werden die riskanten Zukunftsgeschäfte ausgegliedert. Der Internetgigant selbst besinnt sich unter neuem Chef auf alte Stärken. Die Google-Gründer widmen sich ihren Ideen.
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San FranciscoDer Internet-Konzern, den man bisher als Google kannte, hat einen neuen Namen: Alphabet wie ABC. Dennoch darf weiter gegoogelt werden. Denn auch in der neuen Struktur bleibt Google das Kerngeschäft mit der Internet-Suchmaschine, der Videoplattform YouTube sowie dem Mobil-System Android – und der Teil, der das Geld verdient, das die anderen Buchstaben im Konzern-Alphabet ausgeben.

Die am Montag verkündete neue Struktur besteht nun aus einer Gesellschaft mit Namen Alphabet Inc. als Holding für die verschiedenen Aktivitäten Googles. Die sogenannten „Moonshots“, wie der Konzern Projekte mit hohem Investment und ungewissem Ausgang nennt, werden aus Google ausgegliedert und zu eigenständigen Unternehmen unter dem neuen Dach.

Das sind Experimente wie die Medizin-Datenbank „Calico“ oder Drohnen, aber auch das Geheimlabor „Google X“, wo an Projekten wie der Datenbrille „Google Glass“, dem selbstfahrenden Auto oder „Projekt Loon“, Internet per Ballons, geforscht wird. Die beiden Investmentarme Google Ventures und Google Capital werden ebenfalls zu unabhängigeren Häusern. Jeder Bereich soll eigene Vorstandschefs und Budgets bekommen.

Geleitet wird die neue Holding Alphabet von den Google-Gründern. Larry Page wird CEO und Sergey Brin Präsident. Ruth Porat, bislang Googles Finanzchefin, wird Finanzvorstand der Dachgesellschaft. Sundar Pichai, seit Oktober 2014 bereits der starke Mann bei Google, wird offiziell zum Vorstandschef des leicht verkleinerten Internet-Unternehmens befördert, das derzeit praktisch für den gesamten Umsatz der Holding von 66 Milliarden Dollar steht. „Es ist klar für uns und den Aufsichtsrat“, schreibt Larry Page im Unternehmensblog, „dass es Zeit für Sundar ist, CEO zu werden.“

Es ist ein Radikalumbau und er hat seine Berechtigung. Die Börse beobachtet die zahlreichen Investitionen Googles in Randbereiche seit Langem mit Argusaugen. Die Kosten stiegen weit stärker als der Umsatz, vor allem weil die Investitionen in Dinge wie selbstfahrende Autos oder Medizin-Start-ups sowie Roboter viel Geld verschlingen.

Erst im Mai kam die neue Finanzchefin an Bord. Sie versprach, die Kosten strikt im Auge zu behalten. Die Ankündigung führte zu einer Kursrally am Aktienmarkt, die an einem einzigen Tag ein Plus in der Börsenbewertung von 65 Milliarden Dollar brachte. Das war der größte Tageszuwachs in der Geschichte der Wall Street. Das Ereignis illustriert, wie sehr die Börse aus dem Ruder laufende Kosten fürchtet.

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