Konzern muss um Kunden kämpfen
Telekom-Vorstand stellt die Schicksalsfrage

Der Vorstand der Deutschen Telekom ist auf der Hauptversammlung am Mittwoch in die Schusslinie geraten. Statt sich für Rekordüberschuss und Höchstdividende feiern zu lassen, hielt Kai-Uwe Ricke vor den rund 6 600 Aktionären eine Rede, die eher nach Blut, Schweiß und Tränen klang.

HB KÖLN. Zunehmender Wettbewerb und ein geradezu revolutionärer technischer Wandel machen nach Darstellung Rickes dem Konzern zu schaffen. „Es geht um nichts Geringeres, als die Zukunft unseres Unternehmens nachhaltig zu sichern“, betonte der Konzern-Lenker. Die Telekom verlor nach seiner Darstellung im vergangenen Jahr monatlich rund 100 000 Festnetzkunden. Das Wachstum bei schnellem Internet per T-DSL kann die Verluste kaum noch ausgleichen, zumal die DSL-Preise ebenfalls im Sinkflug sind. Der Mobilfunk ist zwar weiterhin der Wachstumsmotor der Telekom - vor allem aber dank T-Mobile USA. In Deutschland sinkt der Umsatz.

Unzufrieden zeigte sich Ricke auch damit, dass von 2,1 Mill. DSL-Neuzugängen in Deutschland im Jahr 2005 rund 1,3 Mill. Resale-Anschlüsse waren, also von Konkurrenten vermarktete Telekom-Anschlüsse. Er hoffe, dass dies anders werde, wenn der zur Zeit noch vor dem Bundesgerichtshof streitige Wieder-Zusammenschluss von Telekom und der Internettochter T-Online vollzogen sei und besser integrierte Produkte angeboten werden könnten.

Ricke sieht regelrechte „IP-Revolution“

Vor allem aber mischt der technische Wandel die Telekom-Branche auf. Immer stärker und immer schneller ersetzen die digitalen Verfahren des Internets die herkömmliche Übertragung von Sprache und Daten. Ricke sprach von einer regelrechten „IP-Revolution“. Die wolle die Telekom aktiv mitgestalten, auch mit neuen Produkten, „von denen sich unsere Kunden vielleicht heute noch gar keine rechte Vorstellung machen“, sagte der Vorstandschef.

Dazu hat die Telekom freilich auch allen Grund: Zunehmend treten Wettbewerber auf, die nicht mehr auf Infrastruktur, sondern auf Software gründen: Voice over IP, Sprachtelefon per Internet, ist ein Stichwort. Anbieter wie Skype oder Google und Yahoo könnten Sprach- und Datendienste mit sehr viel geringeren Kosten produzieren, sagte Ricke. Deshalb bleibe der Telekom keine andere Wahl, als auch die eigene Produktion auf IP-Basis zu stellen. Das sei bereits in vollem Gang und solle spätestens 2012 abgeschlossen sein, sagte Ricke. Es sei aber eben auch ein Grund für den Abbau von Arbeitsplätzen, weil bestimmte Aufgaben durch die neue Technik wegfielen.

Seite 1:

Telekom-Vorstand stellt die Schicksalsfrage

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%