Konzern strebt Expansion im Mittelstand an
Computer Associates meldet sich zurück

Der durch Bilanzskandale angeschlagene Software- Konzern Computer Associates (CA) schlägt wieder aggressivere Töne an. „Das Bilanzthema ist ein historisches, für das CA die Verantwortung übernommen hat. Jetzt geht es um Wachstum, und zwar regional, über unsere Partner und im Mittelstand“, sagte Hayley Tabor, die für das Geschäft in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) zuständige CA-Managerin, dem Handelsblatt.

HB MANNHEIM. Die Ankündigung macht deutlich, das neue CA-Management will die fast zweijährige Zeit mit Negativschlagzeilen endgültig beenden. Das Team um Interimschef Kenneth Cron – der endgültige CA-Chef soll in den nächsten Wochen berufen werden – will durch mehr Transparenz aber auch eine klarere Analyse von Wachstumsfeldern das Vertrauen der Anleger und Kunden zurückgewinnen.

Der New Yorker Konzern hatte zu Jahresbeginn einräumen müssen, die Bilanzen der Jahre 2000 und 2001 um rund 2,2 Mrd. Dollar aufgebläht zu haben, um den Erwartungen der Auguren Rechnung tragen zu können. Daraufhin mussten 14 Top-Manager ihren Stuhl räumen, darunter auch CEO Sanjay Kumar. Gegen ihn und andere Manager ist mittlerweile Anklage erhoben worden.

Als eine der ersten Maßnahmen hatte die neue CA-Spitze vor wenigen Tagen angekündigt, fünf Prozent der Stellen oder 800 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Auch sollen die Investitionen künftig stärker auf Herz und Nieren, also hinsichtlich der Chancen für rasche Erträge, überprüft werden. Das Management erhofft sich dadurch Einsparungen von insgesamt 70 Mill. Dollar.

Europachefin Tabor sieht unter anderem im Geschäft mit der mittelständischen Klientel gute Wachstumschancen. „Wir haben diese Woche eine Offensive für kleinere und mittelgroße Firmen gestartet“, sagte sie. Ziel sei es, diesen Unternehmen eine einfache Lösung zu bieten, mit der sie ihre Programme und Daten sicher verwalten können.

Mit Sicherheitslösungen punkten

Das Kerngeschäft von CA ist Management-Software. Mit ihr können Unternehmen ihren Flickenteppich von verschiedenen Programmen besser verwalten. Analysten schätzen, dass dieser Markt bis 2007 von heute 30 Mrd. auf dann 43 Mrd. Dollar wachsen wird. CA steht nach Angaben der Marktforscher von IDC weltweit auf Platz zwei, hinter IBM und vor BMC und HP.

Interimschef Cron will diese Position weiter ausbauen. Dabei soll CA bei den Kunden unter anderem mit umfassenden Sicherheitslösungen punkten. „Wir sehen hier eine große Nachfrage. Das Thema Sicherheit gewinnt in Europa enorm an Bedeutung“, sagte Tabor.

Gleichzeitig soll das Geschäft mit Partnern (OEM) ausgebaut werden. „CA hat bislang wenige OEM-Partnerschaften. Wir führen zur Zeit diverse Gespräche mit potenziellen Partnern. Ich kann aber noch keine Namen nennen“, sagte Tabor. Ein wichtiges Thema seien drahtlose, mobile Geräte. Es gehe aber nicht ausschließlich um Kooperationen mit Hardware-Herstellern.

Für Gary Barnett, Analyst der britischen Marktforscher Ovum, sind diese Ankündigungen ein klares Signal für einen völlig neuen Management-Stil. „Es ist ein reifes und eher „Wallstreet freundliches Team, das wohl besser aufgestellt sein wird, um dem Wandel der Technologiebranche in eine reife Industrie standzuhalten“, glaubt er.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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