Kooperation europäischer Software-Firmen
Software AG sieht Airbus als Vorbild

Als Reaktion auf die rasante Konsolidierung der von US-Unternehmen dominierten Softwareindustrie fordert der Vorstandsvorsitzende der deutschen Software AG, Karl-Heinz Streibich, eine engere Kooperation der europäischen Anbieter. Abgeguckt hat er sich die Idee in der Luftfahrt-Industrie.

DARMSTADT. „Die europäischen Softwarehersteller sollten enger zusammenarbeiten, um gemeinsam am Markt wettbewerbsfähige Alternativen zu den amerikanischen Branchenführern anbieten zu können“, sagte Streibich dem Handelsblatt . Die Position der europäischen Softwareindustrie habe sich im globalen Maßstab in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert, sagt Streibich. Das liegt unter anderem daran, dass der Trend bei Unternehmen in den vergangenen Jahren weg von selbstentwickelten Programmen und hin zum Einsatz von Standardsoftware ging. Die kommt aber überwiegend aus den USA, wo Branchengrößen wie Microsoft, Oracle und Symantec den Markt dominieren. In Europa sind dagegen nur wenige Softwareunternehmen in der Riege der Spitzenspieler relevant. Dazu gehören neben der deutschen SAP Spezialsoftwareanbieter wie die französischen Firmen Dassault und Business Objects sowie die deutsche Software AG aus Darmstadt.

So landet inzwischen der größte Teil der Ausgaben für Software in Europa – laut einer Erhebung des European Information Technology Observatory (Eito) waren es 2005 rund 70 Mrd. Euro – in den Auftragsbüchern von US-Firmen.

„Die Softwareindustrie in Europa hat eine zu hohe Fertigungstiefe, weil jeder sein komplettes Produkt selbst entwickelt“, kritisiert der Chef der Software AG seine eigene Branche. Ähnlich wie in der Autoindustrie sollten europäische Hersteller zunächst einmal eine gemeinsame Plattformstrategie verfolgen. Langfristig schwebt Streibich sogar eine Allianz ähnlich der Luftfahrtindustrie vor: „Wir haben es im High-Tech-Sektor Flugzeugbau mit Airbus geschafft, an die Weltspitze aufzurücken, warum sollte uns das nicht auch in der Softwareindustrie gelingen“, fragt Streibich.

SAP ist skeptisch

Der mit Abstand größte europäische Softwarekonzern SAP sieht eine Kooperationen nach dem Vorbild von Airbus allerdings skeptisch: „Es ist nicht sehr sinnvoll, den Vorsprung der Amerikaner im Markt für Standardsoftware durch die Entwicklung ähnlicher Produkte einholen zu wollen“, sagte SAP-Vorstandschef Henning Kagermann dem Handelsblatt. Stattdessen sollten sich die europäischen IT-Unternehmen auf die „bevorstehende stärkere Verzahnung von IT und traditioneller Industrien“ konzentrieren. Software werde in Produkten wie Autos oder Maschinen eine immer größere Rolle spielen und in diesen Branchen einen entscheidenden Beitrag zur Wertschöpfung leisten. „Bei solcher so genannter Embedded Software hat Europa mit Hilfe gezielter Förderung und Forschung gute Chancen weltweit führend zu werden“, sagt Kagermann.

Dass beide Unternehmen über die bereits bestehende Partnerschaft hinaus kooperieren, ist nicht wahrscheinlich. Beide Unternehmen sind in unterschiedlichen Marktsegmenten beheimatet. Im Gegensatz zu SAP entwickelt die bereits 1969 gegründete Software AG keine Anwendungsprogramme für Unternehmen sondern so genannte Systemsoftware. Dazu gehört ein spezielles Datenbanksystem für Großrechner, wie sie beispielsweise in Banken eingesetzt werden. Ein weiteres Geschäftsfeld ist Systemmanagement-Software, mit der sich Anwendungen für Großrechner in moderne Computernetze integrieren lässt.

Mit einem Umsatz von 438 Mill. Euro im Geschäftsjahr 2005 und weltweit 2 700 Mitarbeitern ist die Software AG das zweitgrößte Softwareunternehmen in Deutschland und nach überstandener Krise wieder profitabel und auf Wachstumskurs. „Wir wollen in diesem Jahr und den Folgejahren um je zehn Prozent wachsen“, sagt Streibich. Vor einer Übernahme ist ihm nicht bange: „Die Eigentumsverhältnisse schützen uns vor etwaigen Übernahmeversuchen.“ 31 Prozent der Anteile des börsennotierten Unternehmens gehören der Software AG Stiftung. Peter Schnell, einer der Gründer und langjähriger Vorstandschef der Software AG, hatte Anfang der neunziger Jahre seine Anteile dort eingebracht.

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