Leichte Erholung
Chiphersteller sehen ein Ende des Nachfrage-Niedergangs

Weil die Kunden ihre Läger leergeräumt haben, erwartet die Chip-Branche eine leichte Erholung im Auftragseingang. Trotzdem bleibt die Stimmung schlecht. Denn um die enorm hohen Kosten der leerstehenden Werke zu finanzieren, müssen die Konzernchefs an ihrem strikten Sparkurs festhalten. Erholung ist vorerst nicht zu erwarten.

MÜNCHEN. Die Halbleiterproduzenten atmen weltweit auf. Der rasante Umsatzeinbruch der vergangenen Monate ist erst einmal vorbei. Für das laufende Quartal rechnen die meisten Anbieter wieder mit einem besseren Geschäft. "Wir erwarten einen deutlich höheren Umsatz und statt eines Verlusts wieder Gewinn", sagt Shih-Wei Sun, Chef des Taiwaner Chipherstellers UMC.

Der Optimismus des Managers ist weit verbreitet in der Branche. "Alle unsere Segmente zeigen eine leichte Erholung im Auftragseingang", bekräftigt Peter Bauer. Der Chef des Münchener Halbleiterproduzenten Infineon verspricht seinen Aktionären im laufenden Quartal angesichts eines um zehn Prozent höheren Umsatzes einen deutlich geringeren Verlust als zuletzt.

In der Branche jubelt trotzdem niemand. Denn ihr Markt ist seit Herbst massiv geschrumpft und bewegt sich auf niedrigem Niveau. Die Umsätze der meisten Anbieter sind alleine im abgelaufenen ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mindestens ein Fünftel eingebrochen. Viele Firmen sind tief in die roten Zahlen geschlittert.

Beispiel Infineon: Mit jedem Euro Umsatz hat der Konzern im abgelaufenen Quartal etwa 30 Cent Verlust eingefahren. In absoluten Zahlen: Der Umsatz erreichte 747 Mio. Euro, der Fehlbetrag 258 Mio. Euro. Nicht viel besser hat ST Microelectronics abgeschnitten, der größte europäische Chiphersteller. Erlösen von 1,66 Mrd. Dollar standen rote Zahlen von 541 Mio. Dollar gegenüber.

Wichtigster Grund für die schlechten Zahlen sind die enorm teuren Werke, die zuletzt fast leerstanden. So kam SMIC, Chinas Nummer eins, im ersten Quartal auf eine Kapazitätsauslastung von lediglich 35 Prozent. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 92 Prozent.

Jetzt berichtet SMIC-Chef Richard Chang aber von "einer starken Erholung" und begründet dies mit den leeren Lagern der Kunden. Die Fabriken würden in den nächsten Wochen wieder deutlich besser ausgelastet als zuletzt, meint auch Infineon-Chef Bauer. Der Manager hat im Werk Dresden die Kurzarbeit aufgehoben.

Allerdings sind die Unternehmenslenker noch sehr vorsichtig in ihren Prognosen und führen den überall eingeschlagenen strikten Sparkurs erst einmal fort. Es sei noch zu früh um zu beurteilen, ob die positiven Signale nachhaltig seien, so Carlo Bozotti, Chef von ST Microelectronics. Deshalb hat ST-Ericsson angekündigt, 1 200 Stellen zu streichen. Das Joint-Venture von ST Microelectronics und Ericsson mit seinen 8 000 Beschäftigten ist erst im Februar an den Start gegangen. ST selbst hat alleine im ersten Quartal 3 200 Jobs gestrichen. Bei Infineon mussten zu Jahresbeginn fast 2 000 der zuvor 28 000 Mitarbeiter gehen. Im Jahresverlauf sollen noch einmal mehrere Hundert Arbeitsplätze wegfallen.

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