Löscher kündigt Personalabbau an
Siemens-Gewinn bricht massiv ein

Der Technologiekonzern Siemens hat wie erwartet einen herben Gewinneinbruch erlitten. Mit einem Rückgang auf 412 Millionen Euro lag das Ergebnis unter den Erwartungen von Analysten. Anleger griffen nach Börsenstart trotzdem zu. Dabei bekommt Siemens nun auch operativ Gegenwind.

ax/HB MÜNCHEN. Vor allem missratene Großprojekte im Kraftwerksbau und der Zugsparte sowie die Restrukturierungskosten für das zum Verkauf stehende Telefonanlagengeschäft SEN drückten den Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412 Mill. Euro, wie der von einer Korruptionsaffäre geschüttelte Konzern am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 451 Mill. Euro gerechnet.

Mit einem Rückgang des operativen Gewinns um ein Drittel auf 1,2 Mrd. Euro schnitt Siemens allerdings besser ab als von den Branchenexperten erwartet. Die Belastungen aus unrentablen Projekten fielen mit 857 Mill. Euro geringer aus als Siemens im März bei seiner Gewinnwarnung in Aussicht gestellt hatte. Der Umsatz sei um zwei Prozent auf 18,1 Mrd. Euro gewachsen, teilte Siemens mit.

Noch spürt Siemens die Konjunkturabkühlung in weiten Teilen des Geschäfts nicht. Trotz der hohen Zuwächse von 15 Prozent auf 23,4 Mrd. Euro beim Auftragseingang ist Vorstandschef Peter Löscher aber auch für die kommenden Monate nur vorsichtig optimistisch gestimmt. Vor allem die weltweite Konjunkturabkühlung macht Siemens Sorgen. "Wir sehen erste Bremsspuren." Löscher rechnet im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende September) mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft. An den Renditezielen für 2010 halte Siemens fest.

Bei Deutschlands größtem Technologiekonzern wird die geplante Verschlankung der Verwaltung mit einem Personalabbau einhergehen. "Es wird ganz klar zu einem Personalabbau kommen", sagte Löscher. Zahlen könne er allerdings noch nicht nennen. "Wenn ich es sagen kann, werde ich mich melden." Bis 2010 will Siemens im Vertrieb und in der Verwaltung die Kosten um 1,2 Milliarden auf unter 11 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Welcher Gewinn im laufenden Jahr unter dem Strich übrig bleibt, ist offener denn je. Aus der Trennung von SEN werde ein erheblicher Verlust entstehen. Allein für den Stellenabbau hat Siemens im vergangenen Quartal 109 Mill. Euro zur Seite gelegt. Deutschlands größter Industriekonzern hatte im ersten Quartal seines Geschäftsjahres Milliarden aus dem Verkauf seiner Autozuliefersparte VDO an Continental erlöst.

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