Mageres Jahr
IT-Branche geht die Luft aus

Der Optimismus der IT-Branche, ungeschoren durch die Krise zu kommen, löst sich in Luft auf. Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass die Umsätze der IT-Anbieter in Deutschland im kommenden Jahr preisbereinigt so stark wie die Gesamtwirtschaft schrumpfen werden.

MÜNCHEN. Im laufenden Jahr klettern die Erlöse der IT-Firmen in Deutschland trotz eines schlechten vierten Quartals noch um 4,5 Prozent. Noch im Herbst hatte die Branche vielfach behauptet, die IT-Branche sei krisenfest aufgestellt, weil Firmen im Abschwung Sparpotenziale durch neue EDV-Anlagen und Software realisieren wollten. Diesen Optimismus halten jetzt nur noch kleine Teile der IT-Unternehmen aufrecht.

Die einzelnen Segmente der Branche entwickeln sich nämlich recht unterschiedlich. Den größten Einbruch werden 2009 die Halbleiterhersteller erleiden. "Wir gehen von einem Rückgang des Umsatzes von mindestens 15 Prozent gegenüber 2008 aus", warnt Peter Bauer, Vorstandssprecher des Münchener Chipkonzerns Infineon. Der Grund: Infineon beliefert wie viele Konkurrenten auch vor allem die Auto- und Telekommunikationsbranche. Beide Kundengruppen haben momentan schwer zu kämpfen. Infineon kündigte deshalb bereits jetzt einen Verlust für das gerade begonnene neue Geschäftsjahr an.

Stark unter Druck geraten auch die Computerhersteller. "Viele Firmen schieben ihre Investitionen auf", erklärt IDC-Analyst Joachim Benner. Das gilt nicht nur für PCs und Notebooks in den Büros, sondern auch für Netzwerkrechner, die sogenannten Server. Das ist besonders bitter, weil die Margen in diesem Geschäft oft höher sind als mit Privatkunden. Zudem lässt sich in Rechenzentren mit Service viel Geld verdienen.

Die Anbieter hoffen in der schwierigen Lage allerdings immer noch, die Kunden mit dem Sparpotenzial neuer Geräte und Konzepte zu locken. "IT-Hersteller und ihre Partner werden sich verstärkt an zwei Kriterien messen lassen müssen: Inwiefern sie ihren Kunden dynamische und leistungsfähige Systeme zur Verfügung stellen, die auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind", sagt Hans-Dieter Wysuwa, Deutschland-Chef von Fujitsu Siemens Computers, mit Blick auf die eigene Produktpalette. Europas größer PC-Hersteller leidet dennoch schon seit Monaten unter der Kaufzurückhaltung seiner Kunden - und wird es auch im nächsten Jahr nicht einfacher haben: "Wir gehen fest davon aus, dass die IT-Branche in Europa im nächsten Jahr schrumpfen wird", sagt Mark Raskino vom amerikanischen Marktforscher Gartner.

Viele Firmen legen in diesen Tagen IT-Projekte auf Eis oder streichen sie ganz, um kurzfristig ihr Kapital zu schonen - ungeachtet möglicher langfristiger Sparpotenziale. "Zudem versuchen vor allem große Konzerne, bereits abgeschlossene Verträge neu zu verhandeln", beobachtet der Analyst.

In der Krise bieten sich Chancen nur noch für die Anbieter, mit deren Produkten die Kosten sofort sinken. Das gilt zum Beispiel für Softwarefirmen, die ihre Programme im Abonnement anbieten. "Software-as-a-Service" nennt sich das Konzept, das im Grunde nicht neu ist. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass sich die Idee in der Krise weiter verbreitet. Dabei werden die Programme nicht auf den Computern im Büro installiert, sondern auf Servern. Die Benutzer greifen dann aus der Ferne übers Internet auf die Anwendungen zu. Das kommt die Firmen vor allem zu Beginn günstiger, weil sie keine großen Beträge für Lizenzen ausgeben müssen. Zudem lassen sich neue Programme leichter und billiger einführen und warten.

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