Medien und Politik in Italien
Kleinkrieg zwischen Murdoch und Berlusconi

Italien wird zum Schlachtfeld eines internationalen Medienkrieges. Die Feldherren: James Murdoch und Piersilvio Berlusconi. In den Imperien ihrer berühmten Väter machten sie Karriere. Jetzt tragen sie eine globale Familienfehde aus. Wie sie um die TV-Herrschaft in Italien kämpfen.

MAILAND/LONDON. Die Szenerie könnte nicht passender sein: In einer Festung aus dem 15. Jahrhundert - dem Castello Sforzesco im Zentrum Mailands - treffen sich im Juni die Topmanager von Rupert Murdochs Medienimperium Newscorp. und seine drei erwachsenen Kinder James, Lachlan und Elisabeth, um hinter den hohen Mauern an ihrer Europastrategie zu feilen. Wie Kriegsherren in anderen Zeiten.

Nur rund zehn Kilometer Luftlinie entfernt liegt Cologno Monzese, das Hauptquartier von Mediaset, dem Fernsehkonzern des italienischen Premiers Silvio Berlusconi. Das Mittelmeerland hat sich inzwischen für Berlusconi und seinem Erzrivalen Murdoch zu einem wahren Kriegsschauplatz entwickelt. Dabei stehen die alten Herren eher im Hintergrund und lassen ihre beiden Söhne, James Murdoch, 36, und Piersilvio Berlusconi, 40, die Schlacht ausfechten.

Berlusconi-Junior steht an der Spitze von Mediaset RTI, dem Fernsehgeschäft von Mediaset. Sein Gegenspieler James Murdoch ist Asien- und Europachef von Newscorp. und damit auch für den Satelliten-Bezahlsender Sky Italia verantwortlich. Inzwischen hat Sky Italia die italienische Konkurrenz, am Umsatz gemessen, überflügelt. Mit 2,64 Mrd. Euro im vergangenen Jahr liegt Sky jetzt vor Mediaset mit 2,53 Mrd. Euro. "Das ist erst der Anfang", drohte Murdochs Sohn James bereits.

Man schenkt sich nichts. Sky wirbt Mediaset einen TV-Star nach dem anderen ab. Als die Regierung Berlusconi im Herbst die Mehrwertsteuer nur für Satellitensender von zehn auf die allgemein gültigen zwanzig Prozent anhob und damit Sky empfindlich traf, setzte der Sender zu einer Kampagne gegen die Regierung an. Beliebte Fernsehmoderatoren machten offen Front gegen Berlusconi. Die Regierung berief sich zwar auf die EU-Kommission, die die gleiche Mehrwertsteuer für alle fordere. Doch bei den fast fünf Millionen Sky-Kunden blieb ein bitterer Nachgeschmack zurück.

Piersilvio Berlusconi geht gleichfalls nicht zimperlich mit der Konkurrenz um: Er will Sky nun den Zugriff auf die Filmrechte von Medusa streichen, eine riesige Kollektion, die zum Fininvest-Imperium der Familie gehört. Im Bezahlfernsehen greift er Sky außerdem mit dem eigenen Satellitensender Mediaset Premium mit Kampfpreisen an.

"Der Krieg ist real und hat gerade erst begonnen", sagt ein ehemaliger Mediaset-Manager über das Gefecht der nächsten Generation. "Piersilvio begreift den Wettbewerb mit Mur-doch als seinen Hauptjob", sagt der Manager. Piersilvio also gegen James. Eins haben die beiden Kämpfer jedoch gemeinsam: Kaum einer hat ihnen ihren Posten zunächst zugetraut.

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