Medienberichte
Springer bietet offenbar auf Umwegen für Pro Sieben Sat 1

Die Kartell- und Medienwächter hatten dem Springer-Verlag am Jahresanfang die Übernahme der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 vermiest. Nun steht die TV-Firma erneut zum Verkauf – und laut zweier Medienberichte bietet ausgerechnet eine Springer-Beteiligung mit. Es handelt sich um einen türkischen Konzern.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Der Einstieg von Axel Springer beim türkischen Dogan TV nährt Spekulationen über einen neuen Anlauf des Verlags zur Übernahme von Pro Sieben Sat 1. Am Donnerstag gab die Axel Springer AG bekannt, dass sie 25 Prozent an der führenden türkischen Sendergruppe übernommen habe.

Nach Informationen von manager-magazin.de und der Financial Times Deutschland gehört Dogan zum Bieterkreis für Deutschlands größten TV-Konzern. Die Dogan Yayin Holding um den größten türkischen Medienzaren Aydin Dogan habe das bisher beste und höchste Angebot abgegeben, hieß es in dem Bericht von manager-magazin.de am Donnerstag. Dogan TV sei in die nächste Bieterrunde aufgerückt und dürfe die Bücher der Münchner Sendergruppe nun genau prüfen, schreibt die Financial Times Deutschland in ihrer Freitagausgabe ohne Quellenangabe.

Würde Dogan TV bei Pro Sieben Sat 1 zum Zuge kommen, wüchse automatisch auch der Einfluss von Springer. Laut Springer gibt es jedoch keine Verbindung zwischen dem Einstieg bei Dogan und der bereits vorhandenen zwölfprozentigen Beteiligung an Pro Sieben Sat 1. „Ich kann nicht kommentieren, was Dogan tut. Wir haben in Dogan investiert ohne Zusammenhang zu unserem Anteil an Pro Sieben Sat 1“, sagte Springer-Finanzvorstand Steffen Naumann am Donnerstag auf einer Investorenkonferenz von Morgan Stanley in Barcelona. Von Pro Sieben Sat 1 war am Freitagmorgen zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen.

Pro Sieben Sat 1 ist mehrheitlich im Besitz einer Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban, die das Unternehmen verkaufen will. Neben Dogan TV bieten auch die Finanzinvestoren KKR und Permira sowie Apax zusammen mit Goldman Sachs für den deutschen Fernsehkonzern. Die von Saban geführte Investorengruppe strich den italienischen Fernsehkonzern Mediaset des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am vergangenen Donnerstag von der Interessentenliste. Das Angebot war den Verkäufern zu niedrig. Außerdem fürchten sie den politischen Widerstand bei einer Übernahme der Sendergruppe durch den rechtspopulistischen Berlusconi.

Bild-Zeitung und Hürriyet arbeiten zusammen

Springer pflege mit dem Medienzaren Aydin Dogan bereits seit längerem gute Beziehungen, hieß es in dem Bericht von manager-magazin.de. Zwischen der Bild-Zeitung und der türkischen Hürriyet als publizistischem Flaggschiff der Dogan Yayin Holding gebe es bereits journalistische Kooperationen. Branchenkenner vermuten nun laut der Nachrichten-Website, dass Springers Beteiligung in der Türkei „ein geschickter Schachzug sein könnte, sich quasi um die Ecke erneut um die Sendergruppe Prosiebensat.1 zu bewerben“.

Nach Angaben Springers beläuft sich der Kaufpreis für die Dogan-Beteiligung zunächst auf 375 Mill. Euro. Springer werde 2 von 7 Mitgliedern im Verwaltungsrat bei Dogan TV stellen. Die Dogan Yayin Holding A.S. hält gegenwärtig 99,51 Prozent an Dogan TV.

Die Transaktion stehe unter gesetzlichen Vorbehalten sowie eine für Springer zufrieden stellende Unternehmensprüfung. Dogan TV ist die führende Sendergruppe in der Türkei und hat einen Anteil von 24 Prozent im Zuschauermarkt sowie einen Werbemarktanteil von 36 Prozent. Die Gesellschaft verfügt über drei landesweite TV-Sender: den führenden Unterhaltungssender Kanal D, das jüngst übernommene Star TV und CNN Turk, ein Joint Venture mit Time Warner. Daneben gehören Dogan TV 15 über Satellit und Kabel verbreitete Spartenkanäle, die Sender Eurod und Eurostar, die in Europa ausgestrahlt werden, sowie drei Radiostationen.

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