Medienbranche im Umbruch
„Die gedruckte Zeitung ist nicht tot“

Die Nachricht, dass sich das Traditionsmagazin „Newsweek“ bald ins Netz verabschieden wird, hat die Branche aufgeschreckt. Steht das Ende der gedruckten Nachrichten in Amerika bevor? Nicht so voreilig, sagen Experten.
  • 10

„Es ist so traurig“, sagt Karen Springen. „So viele brillante Reportagen und Artikel, und dann musste man mit ansehen, dass ,Newsweek` mit der Zeit immer dünner wurde“, sagt die Journalistin, die 24 Jahre lang als Redakteurin für die Zeitschrift gearbeitet hatte. „Es ist traurig, dass es "Newsweek" nun bald gar nicht mehr am Kiosk geben wird.“

Springen lehrt inzwischen an der Northwestern University in Chicago als Journalismus-Professorin. Mit ihr war die gesamte Branche vorvergangene Woche von der Nachricht aufgeschreckt worden, dass das traditionsreiche US-Wochenmagazin zum Jahreswechsel nur noch online erscheinen werde. „Das ist ein bittersüßer Moment in unserer unglaublich stolzen Geschichte“, schrieb Chefredakteurin Tina Brown auf der Online-Schwesterseite „Daily Beast“. Doch zu hohe Produduktionskosten im Verhältnis zu den Umsätzen hätten ihr keine andere Wahl gelassen, um das Magazin in die Zukunft zu retten.

Das Aus für die Print-Ausgabe nach fast 80 Jahren erscheint wie ein weiterer Beleg für den Niedergang der Branche. In den vergangenen Jahren hatten sich bereits mehrere Printmedien in den USA ganz oder teilweise ins Internet verabschiedet, darunter der „Christian Science Monitor“, die „Detroit Free Press“ und zuletzt „SmartMoney“. Als Grund gaben alle dasselbe an: Wegbrechende Anzeigenerlöse und die Tatsache, dass immer mehr Menschen ihre Informationen im Internet suchen.

Die Zahlen klingen dramatisch: Als das Meinungsforschungsinstitut Pew kürzlich Amerikaner fragte, ob sie am Vortag der Umfrage eine Tageszeitung in der Hand hielten, antworteten nur 23 Prozent mit Ja. Im Jahr 2000 waren es noch 47 Prozent. Bei Magazinen antworteten 18 Prozent mit Ja, vor zwölf Jahren waren es noch 26 Prozent. Bei den Anzeigen sieht es noch dramatischer aus: Der Umsatz mit Werbung halbierte sich nach Angaben des Branchenverbandes Newspaper Association of America von 46,2 Milliarden Dollar im Jahr 2003 auf 23,9 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Ist das Ende der gedruckten „Newsweek“ also der endgültige Abgesang auf das Printmedium in den USA? „Wir werden sicherlich mehr davon sehen“, sagte Reed Phillips, Mitgründer der Medien-Beratungsfirma DeSilva&Phillips, dem „New York Observer“. „Es die Folge des wirtschaftlichen Niedergangs und des Übergangs ins Digitale“.

Doch trotz der dramatischen Zahlen geben sich manche Experten gelassen. „Titel kommen und gehen, aber gedruckte Magazine werden weiterleben“, sagt Samir Husni, Direktor des Magazine Innovation Centers an der Universität von Mississippi.

Seite 1:

„Die gedruckte Zeitung ist nicht tot“

Seite 2:

Hausgemachte Fehler

Kommentare zu " Medienbranche im Umbruch: „Die gedruckte Zeitung ist nicht tot“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Stimmt ! Online hat man als Normalbürger endlich eine Pseudo-Öffentlichkeit um sich äussern zu können. Das ist der "EU in Brüssel" schon lange ein Dorn im Auge ... Die wollen überall blaue Fahnen flattern sehen und Fernsehwerbung für ihren Zentralstaat.

  • Gedruckte Zeitungen sind etwas für lange Bahn-Fahrten, wenn man ellenlange Artikel wirklich zuende lesen will und die Thmen nicht brandheiss sein müssen. Artikel mit "Tiefgang" also sind dort gut aufgehoben.

    Habe Artikel gefunden, der dem Männer-bashing heutzutage entgegensteht. Frau Merkel will ja die Installation "EU in Brüssel" vor allem mit Frauen schaffen, weil die offensichtlicher leichter steuerbar sind und harmonie-süchtiger als Männer. Das soll der Trick sein, EU-Adel mit Hilfe von matriarchalischer Unterstützung. Männer zurück an die Macht. Männer mit "Harmonie" natürlich, keine "Bulldozer".

    Christine Bauer-Jelinek ist Business-Coach. Sie kämpft gegen die Idealisierung der Frauen in allen Lebensbereichen. Ein Interview.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/geschlechterrollen-frauen-sind-nicht-die-besseren-menschen-11941094.html

  • Es wäre vielen Redakteuren/Chefredakteuren/Herausgebern lieber, es gäbe keine Online-Zeitung.
    Wieso?
    Weil es dann auch keine Kritik gibt. Es ist gut, dass es die Kommentarfunktion in HB-Online gibt.

    Aber bei manchen fehlt sie.

    Z.B. Beispiel beim Tabuthema Israel, jüdische Finanzmaffia von anderen Themen ganz zu schweigen.

    Deshalb hier auch ohne Kommentarfunktion:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/signal-der-entspannung-israel-geht-auf-iran-zu/7325838.html
    Stand 09:50 Uh 31.10.12

    Israel hat von Deutschland mehre U-Boote neuester Schleichtechnolgie quasi geschenkt bekommen. In der Öffentlichkeit wird das wissentlich verschwiegen.
    Israel hat mehrere Angriffskriege geführt, sich Palästina unter den Nagel gerissen und bedroht mit seinen mehreren Hundert Atomsprengköpfen den Nahen Osten und teils auch Europa.
    Hier müsste man mal abrüsten und zwar auf Null

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%