Der Medien-Kommissar
Alle Macht der Familie

Frieder Springer darf sich freuen. Mit der Umwandlung des Medienkonzerns Axel Springer in eine KGaA sichert ihr Vorstandschef Mathias Döpfner dauerhaft die Macht.
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Die Börse muss Mathias Döpfner erst noch überzeugen. Die Aktie des Berliner Medienkonzerns Axel Springer („Bild“, „Welt“) hatte am Montag keinen Luftsprung gemacht. Nur ein schlappes halbes Prozent ging es mit dem Papier des MDax-Konzerns nach oben. Dabei hatte der Springer-Chef „Historisches“ zu verkünden - nämlich die Umwandlung der Axel Springer SE in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Dabei handelt es sich um einen geschickten Kniff, den auch schon Dax-Konzerne wie Merck, Henkel oder Fresenius gemacht haben. Denn mit der Umwandlung in eine KGaA kann der „Bild“-Konzern künftig die Vorteile an der Börse nutzen, ohne dass die Matriarchin Friede Springer ihre Macht aus der Hand gibt.

Alle Macht der Familie lautet die neue Losung im Berliner Springer-Hochhaus. Döpfner hatte es vor diesem Hintergrund leicht die heute 74-Jährige Mehrheitsgesellschafterin zu überzeugen, wie er mir sagte: „Der Prozess war ganz einfach.“
Denn die Dame von der Insel Föhr, die einst als Kindermädchen im Hause von Axel Cäsar Springer begonnen hatte, hält auch dauerhaft alle Fäden der Macht in den Händen. Denn die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik besitzt sämtliche Stimmrechte auch beispielsweise bei Kapitalerhöhungen. Friede Springer kontrolliert die Gesellschaft zu 90 Prozent.

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Die restlichen zehn Prozent an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik liegen bei den Enkel Axel („Aggi“) Sven Springer und Ariane Springer, die nach Rechtsstreitigkeit mit ihrer Stief-Großmutter bereits vor Jahren ihren Frieden mit dem Verlags-Unternehmen gemacht haben.

Beide sind nicht im Medienkonzern aktiv, sondern genießen ihre Millionen schweren Ausschüttungen. Seit seiner provokanten Buchveröffentlichung vor Jahren schweigt der Hamburger Privatier „Aggi“ Springer beharrlich – zur Freude seiner Stief-Großmutter.
Das Drehbuch für den neuen Axel Springer-Konzern ist bereits geschrieben. Auf der Hauptversammlung im zweiten Quartal in Berlin soll die Umwandlung des „Bild“-Konzerns in die neue Rechtsform beschlossen werden. Die Ausgabe neuer Aktien erfolgt dann im dritten Quartal 2015.

Die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik hält derzeit 51,5 Prozent der Aktien. Darüber hinaus besitzen die Verlegerwitwe noch fünf Prozent und Mathias Döpfner drei Prozent. Durch eine noch zu beschließende Kapitalerhöhung wird der amerikanische Finanzinvestor General Atlantic künftig zum Großaktionär.

Denn Springer will 15 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Digital Classifieds – dabei handelt es sich um Internetunternehmen im Rubrikenmarkt (Seloger, Immonet, Meinestadt.de) – mit Aktien bezahlen. Dadurch wird General Atlantic ein Springer-Aktienpaket von knapp neun Prozent erhalten. Im Gegenzug wird Friede Springer zur Minderheitsaktionärin ohne Stimmrechte zu verlieren.

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