Der Medien-Kommissar
Chancenlos gegen Facebook

Facebook killt früher oder später alle Wettbewerber. Jüngstes Opfer des sozialen Netzwerks in Deutschland ist die RTL-Tochter Wer-kennt-wen. Wer wird als nächstes an der Reihe sein?
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Als RTL im Februar 2009 das soziale Netzwerk Wer-kennt-wen (WKW) von den beiden Grüner Patrick Ohler und Fabian Jager kaufte, war die Begeisterung in den eigenen Reihen groß. „Wir wollen profitables Wachstum. Es ist aber auch klar, dass wir bei einem sozialen Netzwerk keine kurzfristige und übertriebene Monetarisierung anstreben“, sagte mir damals RTL-Interactive-Chef Marc Schröder. Die Gewinnzone werde „in einem überschaubaren Zeitraum“ erreicht, versprach der Vertraute von RTL-Chefin Anke Schäferkordt.

Fünf Jahre später steht RTL vor einem Scherbenhaufen. Das tiefrote Online-Unternehmen wird auf die Rampe geschoben. Spätestens bis zum Sommer will die Fernsehtochter des Medienriesen Bertelsmann die Ende 2007 gegründete Internetfirma verkauft haben. Die 40 Mitarbeiter werden auf die Straße gesetzt.

Auch RTL stellt fest: Gegen Facebook sind deutsche Wettbewerber chancenlos. Deshalb tritt Europa größter Fernsehkonzern den Rückzug an. Trotz aller Ankündigungen soll das Online-Netzwerk nach Angaben von Insidern nur im Jahr 2010, auf dem Höhepunkt des Erfolgs, Gewinne abgeworfen haben. Nach Marktschätzungen soll RTL einschließlich Kaufpreis und jahrelange Defizite eine höhere einstellige oder niedrigen zweistellige Millionen-Summe verbrannt haben. Offiziell schweigt der Sender.

Die Nutzer haben längst per Mausklick abgestimmt, wohin die Reise bei sozialen Netzwerken in Deutschland geht. Facebook zählt hierzulande mehr als 29 Millionen Mitglieder, Wer kennt wen bringt es auf nur noch 2,2 Millionen Nutzer (unique user).

„Trotz Relaunch und zahlreicher Initiativen ist es uns leider nicht gelungen, genügend Nutzer von der deutschen Alternative zum marktbeherrschenden internationalem Player zu überzeugen“, heißt es in der RTL-Zentrale. Auf dieser Basis kann Wer-kennt-wen keine Gewinne einfahren. Deshalb hat RTL-Chefin Schäferkordt logischerweise die Reißleine gezogen. Derzeit verhandelt RTL mit potenziellen Investoren, ob sich die unrentable Firma doch noch verkaufen lässt.

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