Der Medien-Kommissar
Die Börsenwette namens RTL

Ob Europas größter Fernsehkonzern der digitale Umbau umfassend und schnell schafft, darüber herrscht bei Finanzexperten Uneinigkeit. Für den Bertelsmann-Konzern ist RTL unverzichtbar.
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Ein Geldregen ging am vergangenen Donnerstag auf Gütersloh nieder. Die RTL-Group überwies an ihren Großaktionär Bertelsmann eine Zwischendividende. Ein Euro pro Aktie schüttete Europas größter Fernsehkonzern an seine Aktionäre aus. In Gütersloh kam von der Luxemburger Holding die stolze Summe von rund 115 Millionen Euro an. Das ostwestfälische Unternehmen der Mohn-Familie hält 75,1 Prozent der Aktien. RTL ist der mit Abstand größte Gewinntreiber im weit verzweigten Medienimperium der Milliardärsfamilie. Am Wohlergehen der Luxemburger Tochter entscheidet sich das Schicksal des traditionsreichen Medienriesen.
Noch strotzt die RTL Group vor Selbstbewusstsein. Die Macht und Prosperität drückt sich auch in der neuen Konzernzentrale aus. Auf dem Luxemburger Kirchberg – unweit der Europäischen Investitionsbank und des Europäischen Gerichtshofs und umringt von internationalen Banken – baut sich RTL Group einen neuen Konzernsitz mit zwei eindrucksvollen Türmen, die bereits im Rohbau stehen. Spätestens bis Anfang 2017 soll er bezugsfertig sein.

An Geld für eine angemessene Unterbringung des Branchenprimus fehlt es nicht. Denn das traditionelle Geschäft mit dem werbefinanzierten Fernsehen läuft glänzend. Selbst langgediente Manager reiben sich bisweilen die Augen, wie gut das herkömmliche Geschäftsmodell auch zwei Dekaden nach dem Durchbruch des Internet funktioniert. Das Führungstandem Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch, früher Chef von Pro Sieben Sat 1, hat den Konzern optimiert – trotz mancher Schwierigkeiten wie in Ungarn, wo der langjährige Statthalter in Budapest, Dirk Gerkens, geräuschlos ausgewechselt wurde.

Allen voran die deutsche RTL-Senderfamilie (RTL, Vox, Super RTL, RTL Nitro, RTL 2, N-TV). Die Kölner haben in den ersten sechs Monaten ein Rekordergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 343 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 313 Millionen) eingefahren – ein Plus von fast zehn Prozent. Das Ebita des Gesamtkonzerns stieg um 3,3 Prozent auf stolze 534 Millionen Euro. Die Erlöse legten um 3,8 Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten zu.

Die Chancen für die Aktionäre, dass die Gewinne und damit die Dividenden weiter sprudeln, sind groß. Denn Schäferkordt und de Posch gaben zuletzt eine positive Prognose für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll angesichts des freundlichen Werbemarkts in Deutschland, Frankreich und Spanien steigen. Das Ebita soll mindestens stabil bleiben. Mit einer Marktkapitalisierung von über zwölf Milliarden ist der Fernsehkonzern allerdings hoch bewertet.

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Digitale TV-Revolution bringt Unwägbares

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