Der Medien-Kommissar
Die DNA des Jeff Bezos

Der Chef des Internethändlers Amazon fürchtet die Streiks in seinen deutschen Lagern nicht. Längst entstehen in den Billigländern Tschechien und Polen neue Logistikzentren. Beim Wachstum kennt Jeff Bezos keine Gnade.
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Das hundsmiserable Image von Amazon schert Jeff Bezos nicht. Der Gründer und Chef des weltgrößten Internethändlers weiß aus seinen Erfahrungen in den USA nur zu genau, dass am Ende nur Preis und Service zählen – vor allem bei den verwöhnten deutschen Kunden. Das ist bei Amazon nicht anders als bei McDonald’s. Die faire Bezahlung der Mitarbeiter oder humane Arbeitsbedingungen spielen nur für eine verschwindend kleine Zahl der Kunden eine Rolle – und die sind wirtschaftlich irrelevant.

Das ist selbst beim Bücher lesenden Bildungsbürgertum zwischen Konstanz und Flensburg nicht anders. Nur so ist es erklärbar, dass es Amazon geschafft hat, innerhalb weniger Jahre zum größten Medienhändler in Deutschland aufzusteigen. Für die Buchverlage ist der Konzern des gierigen Bezos mittlerweile der wichtigste Handelspartner.

Kaum jemand unter den Verlegern bringt es selbst in der besinnlichen Adventszeit um den Schlaf, dass Amazon längst zum Totengräber des klassischen Buchhandels aufgestiegen ist. Aus der Buchbranche gibt es keine Solidaritätsadressen für die Streikenden in den deutschen Verteilzentren. Denn Amazon ist im Gegensatz zu den kriselnden Buchhandelsketten Thalia, Weltbild und Hugendubel ein Partner, der Wachstum verspricht. Zudem sorgt der US-Handelsriese dafür, dass die Ware Buch in Rekordzeit bis in den letzten Winkel der Republik geliefert wird.

Vor diesem Hintergrund kämpft die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit ihren Arbeitsniederlegungen einen aussichtslosen Kampf. Den Streikenden fehlt die wichtige Unterstützung der Medienbranche, um Amazon wirklich unter Druck zu setzen.

Der am Montag begonnene Streik von jeweils 150 Mitarbeitern in Bad Hersfeld und Leipzig, so berechtigt er auch sein mag, kann den Handelsriesen ohnehin nur Nadelstiche versetzen – mehr nicht. Denn die Auslieferung mit Büchern, CDs, DVDs und sonstigen Waren kommt nicht zum Erliegen, denn es werden neue Logistikkapazitäten aufgebaut.

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Gierig, gnadenlos und besessen

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Die DNA des Jeff Bezos"

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  • er wird es aber merken wenn ihm in D der Umsatz wegbricht...^^

    Die letzen die so tönten war Nokia..... heute gehören die Handy sparte MS..^^

    warten wir einfach mal 2 jahre ab...

  • Ja, das scheint wirklich die "schöne neue Arbeitswelt" zu sein - grosse Unternehmen und Konzerne die sich ausbreiten wie die Kraken und die kleinen einheimischen Betriebe plattmachen.

    Erst gestern bin ich auf einen Leserkommentar zur DB gestossen der auch in diese Richtung geht, siehe hier:

    ******
    www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/eisenbahnverkehr-bahn-konkurrenten-klagen-ueber-wettbewerbshuerden/v_detail_tab_comments/9124764.html

    11.2013, 18:50 UhrAnonym gegendumping
    Die Frage ist weshalb Deutsche Bahn Aufsichtsrat zulässt das die DB in der ganzen Welt Unternehmen betreibt u.a in Schweden wo DB die Tochter Arriva unter den Armen hällt und Millionen jedes Jahr übersendet um zu verhindern das Ihre Tochter in Konkurz gezungen wird da Arriva Dumping Betreibt in Schweden und damit hunderte von Familien Unternehmern in Konkurz treibt, ist das die Aufgabe eines Staats Unternehmen? (...)
    ******

    Irgendwie erinnert mich das auch an die Fleischindustrie wo mit Hilfe von Arbeitern aus Osteuropa (Werkvertraege) konkurrenzlos billig produziert wird und die kleinen Betriebe bei uns und in den Nachbarlaendern nicht mehr mithalten koennen.

    Oder an die grossen Agrarbetriebe die sich jetzt in Ostdeutschland breitmachen:

    "Großagrarier betrieben mit wenigen Angestellten ein durchrationalisiertes Geschäft. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur noch 4700 Agrarbetriebe mit 26.000 Beschäftigten - in Nordrhein-Westfalen, wo die landwirtschaftliche Gesamtfläche kaum größer ist, sind es 36.000 Unternehmen mit 124.000 Arbeitskräften" siehe www.spiegel.de/spiegel/print/d-83588351.html


    Das kann und darf doch wohl nicht das Zukunftsmodell sein. Wann schreitet hier endlich die Politik ein?

  • Diese Angst vor Monopolisierung.
    Das haben schon andere versucht. Zuletzt der Blödmarkt.
    Letztendlich hat man niemand dazu gezwungen dort zu Arbeiten.
    Letztendlich schadet es auch Langzeitarbeitslosen nichts, mal ein paar Tage zu arbeiten. Da wurde bestimmt so manche Zahlung eingestellt.

    Das sich nun ein paar vollgefressene Gewerkschaftsbonzen mal wieder profilieren müssen war doch abzuwarten.
    Mit der Begeisterung, dass Kinder Weihnachtsgeschenke nicht bekommen!

    Sowas braucht man in D.

    Aber im Frühjahr, wenn in Polen und Tschechien die neuen Logistikzentren fertig sind, wird sich das erledigen. Ebenso die Arbeitsplätze in D.

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