Der Medien-Kommissar
Gefährliche Medienmacht

Die Übernahme von Time Warner durch den Telekomriesen AT&T wird der Vielfalt im größten Medienmarkt der Welt schaden. Die Wettbewerbshüter müssen die Mega-Fusion verhindern. Schon einmal haben sie gegen AT&T entschieden.
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Donald Trump hat richtig reagiert. Als erster prominenter Politiker lehnte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner (Warner Bros., CNN, HBO) durch den Telekomriesen AT&T ab. Der Unternehmer kündigt im Falle eines Wahlsieges bereits an, die Übernahme wieder zu Fall zu bringen. Selbst seine von der Wall Street geförderte Herausforderin Hillary Clinton befürwortet eine genaue Überprüfung.

Die Nachteile des Deals, wie ihn die Medienbranche seit dem Platzen der Dotcom-Krise nicht mehr gesehen hat, liegen für jedermann auf der Hand. Die Konzentration der Medienangebote und damit weniger Wettbewerb führt zwangsläufig zu weniger Qualität, weniger Vielfalt und höheren Preisen. Denn schließlich muss der gewaltige Deal auch finanziert werden. Das Zauberwort lautet in solchen Fällen immer „Synergien“. Doch zwischen einen Telekomriesen und einen Medienkonzern lassen sich nur schwerlich Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich durch eine intensivere Zusammenarbeit erzielen.

In den Warner-Bros.-Studios in Burbank oder in der Nachrichtenzentrale von CNN in Atlanta kann die Arbeit nicht unbedingt billiger erledigt werden, nur weil die Leitungen AT&T gehören. Also muss den Kunden mit neuen und womöglich teuren Fernseh- und Filmangeboten das Geld aus der Tasche gelockt werden. In Power-Point-Präsentationen sieht das stets einfach aus. Doch in der Praxis? Es handelt sich um eine riskante Wette, dass dem Geschäft mit audiovisuellen Inhalten die Zukunft gehört. Doch bei der Mega-Fusion stoßen zwei Welten aufeinander. Telekommunikation und Medien sind wie Bier und Wein. Beides Alkohol, doch in der Herstellung, im Vertrieb und Konsum grundverschieden.

Für die Übernahme von Time Warner legt AT&T mit der Übernahme der Schulden knapp 109 Milliarden Dollar auf den Tisch. Der Plan des Telekomriesen klingt einfach. Er will mit Inhalten seine Netze aufrüsten und so neue Umsätze generieren, um gegen die ungeliebte Konkurrenz von Netflix oder Amazon bestehen zu können. Noch vor ein paar Jahren lautete die Zukunftsstrategie ganz anders: Nämlich im Stammgeschäft wachsen. Deshalb wollte AT&T vergeblich die Telekom-Tochter T-Mobile in den USA übernehmen.

Den Telekomkonzernen schwant schon seit längerem, dass ihre große Zeit als wichtigster Teil einer kommunikativen Infrastruktur abläuft. Längst verdient nicht mehr derjenige, der die Autobahn baut, sondern der die Fahrzeuge herstellt. Im Kommunikationsgeschäft ist das durchaus ähnlich. Deshalb ist der amerikanische Kabelmilliardär John Malone auch an Sendern wie Discovery, Eurosport oder QVC beteiligt. Deshalb hat der Kabelriese Comcast das Hollywood-Studio NBC Universal übernommen und der Konkurrent Verizon schon AOL gekauft sowie Yahoo ins Visier genommen. Und AT&T? Der Telekomriese hatte bereits vor zwei Jahren das Satellitenfernsehen DirecTV für 50 Milliarden Dollar erworben.

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