Der Medien-Kommissar
Verhörraum oder Fernsehstudio?

In Österreich tobt ein Streit um die journalistische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber ein durchsichtiges politisches Manöver bewirkt das Gegenteil. Und sogar eine Gebührenerhöhung verpufft.
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WienDie Lebensfreude verliert Alexander Wrabetz nie – selbst im größten medienpolitischen Gefecht. Ausführlich preist der leutselige ORF-Chef bei einem Treffen mit der Auslandspresse im Wiener Heurigen-Vorort Grinzing die Vorzüge des Gemischten Satzes, einer Weinspezialität der Donaumetropole, an. Um die Ecke des renommierten Weinguts Mayer am Pfarrplatz hat der mächtigste Medienmanager in Österreich schließlich jahrelang gewohnt. Ein Experte für den Genuss. Der von Wrabetz geschätzte feine Wein kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass er und sein Sender derzeit mächtig unter Druck stehen.

Denn die konservative ÖVP stellt Existenz des ORF in Frage. Die Regierungspartei schließt eine Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Alpenrepublik nicht aus. Entsprechende Äußerungen hatte ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Werner Amon in der vergangenen Woche gemacht. Derzeit wird der ORF noch mit rund 600 Millionen Euro über Rundfunkgebühren alimentiert.

Von den Angriffen auf die journalistische Unabhängigkeit aus der Politik und dem eigenen Haus lässt sich Wrabetz unterdessen nicht beeindrucken. „Für Armin Wolf habe ich schon ganze andere Kriege ausgefochten“, sagt der promovierte Jurist, der seit zehn Jahren den ORF führt. Wrabetz selbst ist durchaus einiges gewohnt. Bei seiner Wiederwahl im Sommer vergangenen Jahres hatte die ehemalige Haider-Partei FPÖ angekündigt, bei einer Regierungsbeteiligung per Gesetz seine Ablösung einzufordern, erinnert sich Wrabetz genüsslich. „Mich abzusetzen wird aber sehr schwer“, ist sich der Sozialdemokrat sicher. Denn dazu braucht es im Aufsichtsgremium eine Zweidrittelmehrheit und die ist nicht in Sicht.

Der ORF-Chef ist keiner, der bei jedem politischen Angriff zusammenzuckt. Im Gegenteil: Er lässt öffentliche Diskussionen um den journalistischen Stil seines Hauses sogar ausdrücklich zu. Das umstrittene Interview seines FPÖ-nahen Managementkollegen Prantner hatte er vorher zur Durchsicht bekommen und abgesegnet, wie er vor der Auslandspresse ausführlich schildet. Dass Wrabetz mit den Angriffen des FPÖ-nahen Kollegen inhaltlich nicht einverstanden war, versteht sich von selbst. Doch auf Änderungen wollte er nicht drängen. „Ich lektoriere doch nicht seine Aussagen“, sagt der ORF-Chef ergänzend. 

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