Der Medien-Kommissar
Vodafone und der Kampf der Kulturen

Vodafone startet nach der Übernahme des größten Kabelkonzerns KDG mit dem Verkauf von Kabelverträgen. Nun muss der bisherige Mobilfunker beweisen, ob sich die elf Milliarden teure Investition in Deutschland lohnen kann.
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Bier und Wein – beides sind alkoholische Getränke. Doch die Herstellung, das Marketing und der Vertrieb sind höchst unterschiedlich. Beide zu vermengen, wäre unternehmerisch fatal. Bei Vodafone und Kabel Deutschland (KDG) ist die Lage durchaus ähnlich wie in der Getränkeindustrie. Mobilfunker und Kabelkonzerne ähneln sich nur auf den ersten Blick. Doch im Grund genommen sind es zwei Welten.

Nach der elf Milliarden teuren Übernahme will Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern jetzt den Beweis antreten, das Bier und Wein doch aus einem Haus kommen werden. Ab 2. Mai wird Vodafone mit seinen Shops auch die Verträge von Kabel Deutschland für Telefonie, Internet und Fernsehen vertreiben.  Im Gegenzug soll KDG für die Handy-Verträge von Vodafone trommeln. Mit dem Anfang April abgeschlossenen Beherrschungsvertrag sind auch formell die Voraussetzungen dafür geschaffen worden.

Auf dem Papier hört sich das Unterfangen wunderbar an. Die KDG mit ihren 8,4 Millionen Kunden in Bayern und Ostdeutschland  soll endlich Vodafone in Deutschland aus dem Formtief holen.  Denn zuletzt lief es bei der deutschen Tochter des britischen Telekomriesens mies. Umsatzeinbrüche setzten den Düsseldorfer Mobilfunkern stark zu.

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In der schwierigen Marktsituation liegt es natürlich auf der Hand, Mobilfunktelefonie, Telefon, Internet und Fernsehen künftig aus einer Hand zu verkaufen. Ohnehin besitzt die KDG nach dem Aufrüsten ihrer Netze superschnelle Internetverbindungen.  In der Praxis sind hingegen solche Übernahmen aber ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Bei Vodafone und KDG gibt es einen Kampf der Kulturen. Die von den Mobilfunkern unterworfenen Kabler sind keineswegs nur begeistert vom großen Bruder aus Düsseldorf. Vielen von ihnen wäre es ohnehin lieber gewesen, beispielsweise von Europas größtem Kabelkonzern Liberty Global übernommen zu werden, hinter dem der Medien-Tycoon John Malone steht. Doch ein solcher Deal war aus wettbewerbsrechtlichen Gründen in Deutschland nicht möglich.

Bislang war Vodafone für die KDG ein erbitterter Wettbewerber, über dessen unzureichende Netze die Kabler hinter vorgehaltener geschmunzelt haben. Auch die Technik beider Häuser ist höchst unterschiedlich. Synergien zu heben, ist daher kompliziert, aufwendig und langwierig.  Das größte Problem  sind aber die Lücken der KDG auf der Landkarte. Im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW und im wirtschaftlich interessanten Baden-Württemberg und Hessen besitzt Liberty Global mit seiner Tochter Unitymedia ein Quasi-Monopol. Während Vodafone erst mühsam Synergie finden müssen, schöpft Liberty Global mit seinem europäischen Portfolio von den Nordseeküste bis zum Schwarzen Meer aus dem Vollen. Mit dem Multimedia-Angebot Horizon besitzt Liberty Global und Unitymedia zudem  ein Angebot, das Vodafone nur neidisch machen kann.

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