Medienkonzern
Bezahlschranken drücken Springer-Gewinn

Investitionen in Bezahlmodelle für die Webseiten der Bild-Zeitung und der „Welt“ haben jüngst den Gewinn des Springer-Konzerns belastet. Das gesamte Digitalgeschäft wächst aber und überdeckt den Rückgang der Print-Titel.
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BerlinInvestitionen in die Verlagerung des Geschäfts ins Netz haben den Betriebsgewinn von Axel Springer gedrückt. Ausgaben für neue Online-Bezahlmodelle bei den Tageszeitungen "Welt" und "Bild" sowie kleinere Zukäufe zur Stärkung von Anzeigenportalen wie der Jobbörse Step-Stone führten zu einem Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 18 Prozent auf 123 Millionen Euro, wie der Berliner Medienkonzern am Mittwoch mitteilte. Die Konzernerlöse stiegen um knapp vier Prozent auf fast 816 Millionen Euro.

Die digitalen Medien, zu denen neben Step-Stone auch die französische Immobilien-Seite Seloger und der deutsche Anbieter Immonet gehören, lieferten den höchsten Beitrag zu Konzerngewinn und -umsatz. Seit Jahren sucht das frühere klassische Verlagshaus angesichts schwächelnder Printverkäufe sein Heil im Netz. Diese Strategie beschleunigte der Konzern im Juli mit dem aufsehenerregenden Verkauf eines Großteils der Springer-Traditionsblätter an die Essener Funke Mediengruppe.

Springer will sich für rund 900 Millionen Euro unter anderem von der "Berliner Morgenpost", dem "Hamburger Abendblatt" und der "Hörzu" trennen. Mit einer Entscheidung des Bundeskartellamts wird frühestens im Januar gerechnet. Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe zweifelt nicht daran, dass die Transaktion zu Stande kommt. Damit stellt sich die Frage, was die Berliner mit den Erlösen anstellen. Aus dem Rennen um die milliardenschwere Telekom-Internet-Tochter Scout24 ("ImmoScout24", "AutoScout24") ist Springer im Sommer ausgestiegen.

Springer versucht seit einiger Zeit auch online mit seinen Print-Flaggschiffen "Bild" und "Welt" Geld zu verdienen. "Die ersten Erfahrungen mit Bezahlinhalten bestärken uns in unserer Überzeugung, dass Qualitätsjournalismus den Lesern auch online etwas wert ist", sagte Konzernchef Mathias Döpfner. Neue Angaben, wie viele Abonnenten regelmäßig für die Inhalte im Netz zahlen, macht Springer nicht.

Der im MDax notierte Verlag bestätigte, dass er weiterhin für das Gesamtjahr mit einem Rückgang des Ergebnisses im einstelligen Prozentbereich rechnet. Der Umsatz soll im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen.

Für das kommende Jahr gibt sich Springer zuversichtlich. Da dann die kostenintensive Restrukturierung größtenteils abgeschlossen sei, werde mit einem besseren Ergebnis als im laufenden Jahr gerechnet, sagte Finanzchef Lothar Lanz am Mittwoch. Allerdings gelte diese Prognose vorbehaltlich der Auswirkungen des Verkaufs an Funke. "Unsere Finanzlage ist komfortabel und bietet weiteren Spielraum für Wachstum", sagte Lanz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ..je mehr Verluste die machen, desto besser ! Die sollen lieber mal abspecken. Niemand benötigt diese Fülle an Zeitungen, die sowieso nur von Reuters und dpa gespeist werden. Außerdem bezahle ich nicht für ein Produkt, das mich sowieso nur belehren möchte. Zeitungen werden immer einen offenen Bereich haben, schließlich muss der Dumme ja betreut werden (z.B. Konsumboom in der Vorweihnachtszeit oder tolle 2.8. Mio Arbeitslose in D). Alles andere bietet mir das Internet, also die wirklich guten Informationen (z.B. abonniere ich zwei priv. Dienste, für die ich sehr gerne bezahle)

  • Ach, man hat in Bezahlmodelle investiert?
    Bin ja von den Socken. Endlich packt mal einer der wichtigsten Dinge des Netzes an, aber mußte es ausgerechnet Bild-Springer sein?

    Hier hat Europa, insbesondere die deutschen Banken, eine Riesenlücke die von anderen geschlossen wurde. Deshalb wird sich der Vorsprung im IT-Bereich noch lange nicht aufholen lassen. Das Rennen wird hier Groß Britannien machen, weil die vernünftige Gesetze und Vorschriften haben, die auch z. B. ein PayPal möglich machten.

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