Medienmacher
Die Todesliste des Bären

Ein Burda-Manager erzählt eine befremdliche Geschichte. Die „Bild“-Zeitung bricht einen Versuch ab. Und eine „Tagesschau“-Sprecherin will demnächst eine Burger-Diät einhalten – zumindest beruflich.
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Als sich der ehemalige Sat.1-Chef Guido Bolten im Januar als Geschäftsführer der Belegschaft der neuen Burda-Bewegtbildtochter Burda Studios vorstellte, in der das Medienhaus Focus TV, die Pay TV-Plattform Bon Gusto und den Imagefilm-Produzenten Video-Factory bündelt, erzählte er eine Geschichte, die nicht bei jedem Mitarbeiter gut ankam. In ihr geht es um einen Wald, in dem ein Bär lebt, der eine Todesliste führt.

Erst wird der Hirsch von den Tieren des Waldes tot  aufgefunden, danach das Wildschwein. Da nimmt der Hase all seinen Mut zusammen und fragt den Bären, ob er auch auf der Todesliste stehe. Der Bär bejaht das. „Kannst Du mich denn von der Liste wieder runternehmen?“ fragt der Hase. „Ja klar, kein Problem“, antwortet der Bär.

Diese etwas verstörende Geschichte kenne er von einem Workshop, sagt Bolten. Er habe mit ihr ausdrücken wollen, Kommunikation lohne sich immer, könne aber auch nachvollziehen, dass sie möglicherweise nicht bei jedem richtig angekommen sei. Möglicherweise war dem richtigen Verständnis der Fabel auch nicht zuträglich, dass danach die in Köln angesiedelte Bon Gusto-Belegschaft einschließlich Geschäftsführer Jörg Schütte von Bord ging. Die Plattform, deren Geschäfte nun Bolten führt, wird in München neu aufgebaut.

Mit dem langjährigen Focus TV-Geschäftsführer Matthias Pfeffer, dessen Demission am Donnerstag durchsickerte, aber offiziell noch nicht bestätigt ist, geht eine weitere Führungskraft. Unterm Strich will Bolten jedoch die Zahl der Mitarbeiter erhöhen. So hat er beispielsweise Frank Horlbeck, bisher Leiter TV-Kommunikation und TV-Management bei Audi und von 1996 bis 2009 in Diensten von Focus TV, als Channel Manager zu Bon Gusto geholt.

Die Stelle von Pfeffer, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, dürfte aber wohl kaum neu besetzt werden. Es sei denn, Bolten oder sein gleichberechtigter Co-Geschäftsführer Hans Fink übernehmen selbst den Job. Die Focus TV GmbH soll offenbar aus dem Focus Magazin Verlag herausgelöst werden. Sicher sei das nicht, sagt Bolten.

Aber: „Auch über dieses Konstrukt denken wir nach.“ Focus TV, Bon Gusto und die Video-Factory, die bisher getrennt voneinander arbeitete, werden künftig eng kooperieren. Es wird spannend zu beobachten sein, ob das klappt. Focus TV, mit etwa 50 Mitarbeitern die größte der drei Einheiten, ist praktisch seit ihrer Gründung profitabel. Bon Gusto macht Verluste. Die sehr kleine Video-Factory schreibt laut Bolten schwarze Zahlen.

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Vor knapp zwei Monaten war an dieser Stelle zu lesen, dass die „Bild“-Zeitung eine Woche lang versuchsweise auf Meldungen der Nachrichtenagentur dpa verzichten will. Dafür hatte sich die Redaktion des Blattes die Woche vom 22. bis 29. März ausgesucht. Nun kommt heraus: „Bild“ musste den Versuch bereits am 24. März abbrechen. Das bestätigt eine Verlagssprecherin auf Anfrage.

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