Medienmacher
Gärtnern statt Grillen

Planspiel zu einer „Landlust“ für Männer. Krisen-PR bei der Bavaria. „Business Insider“ mit angezogener Handbremse. Erfolgskommentar überfordert Tagesschau.de. Und Facebooks Problem mit Rechtsextremisten.
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HamburgUm es vorwegzunehmen: Zu der nun folgenden Geschichte gibt es ein Dementi. Nun müssen Dementis nicht immer der Wahrheit entsprechen. Womöglich ist es auch in diesem Fall so. Denn die Quellenlage ist – Dementi hin oder her – bei dieser kleinen Story so exzellent, dass sie durchaus in diese Kolumne passt.

Und darum geht es: Bei Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) macht man sich bereits Gedanken über Titel, die man in dem geplanten Joint Venture mit dem Münsteraner Landwirtschaftsverlag („Landlust“) entwickeln könnte. Ganz oben auf der Agenda steht eine „Landlust“ für Männer. Ein Konzept für einen solchen Titel hat nach Angaben aus Verlagskreisen „Essen & Trinken“-Chefredakteur Jan Spielhagen erdacht. „Essen & Trinken“ gehört zu den vier bereits bestehenden Titeln, die Gruner + Jahr in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen wird. Spielhagen ist zudem der Erfinder von „Beef“, ein Blatt, mit der die Idee für das neue Magazin G+J-intern ebenfalls verglichen wird. Die Neuentwicklung funktioniere genauso wie das Food-Magazin für Männer, nur dass es bei ihr nicht ums Grillen sondern ums Gärtnern ginge, sagt eine mit dem Projekt vertraute Person. Ursprünglich sei erwogen worden, aus dem Outdoor-Blatt „Walden“ eine männliche „Landlust“ zu machen. Davon sei man jedoch wieder abgekommen. „Walden“ werde auch weiterhin unabhängig von dem neuen Titel zweimal im Jahr erscheinen.

Und nun das Dementi: Eine G+J-Sprecherin bestreitet, dass es in ihrem Haus Pläne für eine „Landlust“ für Männer gibt.
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Bislang hat die Durchsuchung von Räumen des Münchener Film- und Fernsehstudios Bavaria im Auftrag des Bundeskartellamts Anfang Juli ein relativ verhaltenes Presse-Echo gehabt. Die Wettbewerbshüter ermitteln wegen des Verdachts „kartellrechtswidriger Preis- und Angebotsabsprachen“. Offenbar befürchtet Bavaria-Chef Christian Franckenstein dennoch einen größeren Imageschaden. Er hat deshalb Ende Juli die auf Krisenkommunikation spezialisierte Münchener PR-Agentur CNC eingeschaltet, die zum französischen Werbekonzern Publicis gehört. Auf Anfrage sagt ein Bavaria-Sprecher, die Agentur solle „eine Synopse erstellen“, aus der hervorgeht, wie die Bavaria in den Medien dargestellt wird. Zudem hat Franckenstein, der bei der Bavaria noch nicht mal ein Jahr an Bord ist, sich von Martin Moll getrennt, dem Geschäftsführer der Tochterfirma Bavaria Studios & Production Services GmbH.  

Entsprechende Schritte sind von Studio Hamburg nicht bekannt, dessen Tochterfirma Studio Berlin das Bundeskartellamt aus denselben Gründen wie die Bavaria durchsuchen ließ. Die Produktionsgesellschaft mag sich zu Anfragen zu dem Thema nicht äußern.

Studio Hamburg gehört dem NDR. Die Bavaria ist im Besitz von WDR, SWR, MDR, BR und dem Freistaat Bayern. Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird schon seit geraumer Zeit vorgeworfen, ihre Produktionsgesellschaften und deren Töchter bei der Auftragsvergabe zu bevorzugen. Zudem sollen insbesondere die Technikdienstleister von Bavaria und Studio Hamburg den Markt mit Dumpingpreisen kaputtmachen. In der Vergangenheit haben ARD und ZDF diese Vorwürfe stets vehement bestritten.
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Eine vergleichbar überschaubare Veranstaltung wird zunächst wohl die von der Axel-Springer-Tochter Finanzen.net geplante deutsche Ausgabe des Online-Wirtschaftsdienstes „Business Insider“ werden. Zwar hatte Springer-CEO Mathias Döpfner vergangenen Dienstag bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen seines Hauses angekündigt, dass sich die deutsche Ausgabe des Internet-Portals vom US-Original „deutlich unterscheiden wird“. Allerdings heißt es in Verlagskreisen, dass die Redaktion des deutschen „Business Insider“ relativ klein und die Zahl der übersetzten Artikel der amerikanischen Mutter dementsprechend groß sein werde. Mit der ambitionierten europäischen Ausgabe des Polit-Portals „Politico“, die im Frühjahr startete und bei der nur etwa zehn Prozent der Artikel aus den USA kommen, sei der deutsche Ableger des Wirtschaftsdienstes nicht zu vergleichen. An dem Joint Venture, das das europäische „Politico“ herausgibt , hält Springer 50 Prozent der Anteile.

Dennoch kann sich das Berliner Medienhaus einen späteren Ausbau des deutschen „Business Insider“, der Ende des Jahres starten soll, durchaus vorstellen. Mittel- bis langfristig sei, heißt es hinter vorgehaltener Hand, ein kostenpflichtiger Aboservice denkbar. Bei Springer hält man nicht viel von kostenlosem Online-Journalismus.

Bei „Business Insider“ waren die Deutschen bei der letzten Finanzierungsrunde als Hauptinvestor mit dabei und sind mit ihrem Rubrikenvorstand Andreas Wiele im Board vertreten. Wie viel Prozent der Anteile dieses Investment eingebracht hat, will Springer nicht verraten. Offenbar ist der Anteil groß genug, um bei der Vergabe von Lizenzen von Auslandsausgaben – wie jetzt in Deutschland geschehen – ein gewichtiges Wort mitzureden. „Wir sind Gesellschafter auf Konzernebene“, sagt eine Unternehmenssprecherin, „und folglich bei jedem Geschäft dabei.“
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