Medienunternehmer Kirch
Eine Frage der Ehre

Vor fünf Jahren zog eine Pleite seinen Ruf in den Schmutz: Nun hat Leo Kirch die Schande getilgt – er mischt wieder im Bundesligageschäft mit. Ein weiteres Mal hat es der Münchener Medienunternehmer allen Kritikern und Widersachern gezeigt. Eine Handelsblatt-Reportage.

MÜNCHEN / CANNES. Es sollte eine Pressekonferenz zur besten Mittagszeit werden. Um halb eins hatte Christian Seifert am Dienstag vor die Kameras treten wollen. Bei Häppchen und Sprudel hätte der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dann erläutert, wie die Ausschreibung der Fernsehrechte für die Bundesliga ab der Saison 2009 aussehen wird. Doch daraus wurde nichts – vorerst.

Die Journalisten in der Frankfurter DFL-Zentrale mussten die Schnittchen allein verspeisen. Später improvisierten die Assistentinnen dann mit Kaffee und Kuchen. Denn hinter verschlossenen Türen redeten sich die Manager der 36 deutschen Proficlubs die Köpfe heiß – und aus der Debatten-Kurzstrecke wurde ein Marathon. Angesichts der Tragweite machten sich die Manager ihre Entscheidung offenbar nicht leicht.

Erst am frühen Abend war die Einigung perfekt: Leo Kirch mischt wieder im Bundesligageschäft mit. Der Medienunternehmer soll für die Deutsche Fußball-Liga die Medienrechte zur Übertragung der Bundesligaspiele von 2009 bis 2015 vermarkten. Im Gegenzug fließen innerhalb von sechs Jahren drei Milliarden Euro in die Kassen der Clubs.

Im Jahr 2002 schien der Münchener Unternehmer Kirch am Ende, damals ging sein Medienimperium Pleite. Nun, da ihn die Fußballmanager wieder aufs Spielfeld lassen, hat er es allen Kritikern und Widersachern einmal mehr gezeigt.

Was ist geschehen? Fünf Jahre nach seiner spektakulären Insolvenz kehrt Leo Kirch mit seinem Adlatus Dieter Hahn und einer Reihe von Vertrauten wie der Sportrechtehändlerin Dagmar Brandenstein auf die Medienbühne zurück. Erst vor zwei Wochen beteiligt sich der Unternehmer, der durch eine jahrzehntelange Diabetes und eine Bypass-Operation gesundheitlich angeschlagen ist, über seine Firma KF 15 an EM Sport Media.

Zu EM gehört beispielsweise das Deutsche Sportfernsehen (DSF), das Internetportal Sport 1, die Sport-Produktionsfirma Plazamedia und indirekt auch die Schweizer Sportrechteagentur Team. Mit diesen Firmen im Rücken arbeitet der Medienmogul mit aller Kraft an seinem eigenen, neuen Sportkonzern. Deshalb will er mit der DFL so schnell wie möglich wieder ins Geschäft kommen.

Wie früher hat Kirch dabei ein auf den ersten Blick unwiderstehliches Milliardenangebot parat, dass die bisher von Premiere, ARD, Telekom, DSF und ZDF an die Deutsche Fußball-Liga gezahlten 1,3 Milliarden Euro für drei Spielzeiten in den Schatten stellt. Es ist ein Angebot ganz nach dem Geschmack von Kirch, der schon immer volles Risiko ging.

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