Microsoft-Chef
Dirty Dancing zum Abtritt von Steve Ballmer

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat auf dem letzten Mitarbeitertreffen vor seinem Abschied bei dem Windows-Hersteller einen seiner selbstbewussten Auftritte hingelegt. Derweil gibt es einen Favoriten auf seine Nachfolge.
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Seattle/DüsseldorfDie Bühne verließ Steve Ballmer am Donnerstagabend unter anderem zum „Dirty Dancing“-Hit „(I've Had) The Time of My Life“. Vor geschätzt 13.000 Microsoft-Mitarbeitern hatte er seinen letzten Auftritt auf einem offiziellen Mitarbeitertreffen in einer Veranstaltungshalle in Seattle, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten ihn die Beschäftigten. „Nur unsere Firma und eine Handvoll andere sind bereit, die Zukunft zu bestimmen“, sagte er unter anderem. „Wir müssen in großen Maßstäben denken und wir müssen große Wetten eingehen.“

Eine dieser Wetten könnte die auf einen Ballmer-Nachfolger aus einer fremden Branche sein: Als Favorit gilt laut dem „Wall Street Journal“-Blog „All Things D“ derzeit der 68-Jährige Alan Mulally. Der hatte seine Karriere beim Flugzeughersteller Boeing begonnen, es dort zum Chef der Verkehrsflugzeugsparte gebracht und wurde 2006 Chef des Autoherstellers Ford. Legendär war einer seiner ersten Auftritte bei Ford, als Mulally die Belegschaft anspornte, auch künftig „tolle Flugzeuge“ zu bauen.

Die Aussage schürte bei dem Konzern natürlich zunächst die Skepsis vor dem Branchenfremden, erwies sich letztlich als unbegründet. Mulally stellte den Autohersteller auf ein solides Fundament. Bis Ende 2014 soll er dem Unternehmen noch erhalten bleiben. Laut „All Things D“ habe er zuletzt immer mehr Gefallen an der Idee gefunden, die Karriere bei Microsoft fortzusetzen. Eine Schnittstelle zwischen den beiden Unternehmen: Ford setzt auf Spracherkennungs-Software aus dem Hause Microsoft in seinen Fahrzeugen.

Der langjährige Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte im August den Rückzug binnen zwölf Monaten angekündigt. Bisher wurde Nokia-Chef Stephen Elop als ein aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Elop kehrt mit der Übernahme der Handy-Sparte von Nokia zu seinem früheren Arbeitgeber Microsoft zurück. Aber die Sanierungserfahrung Mulallys beeindruckt offensichtlich. Ein weiterer Bewerber für den Spitzenposten bei Microsoft sei der frühere Skype-Chef Tony Bates.

Der neue Microsoft-Chef wird von einem Sonderausschuss des Verwaltungsrates ausgesucht, dem auch Gründer Bill Gates angehört. Das Gremium wird von John Thompson angeführt, einem früheren Chef des Antiviren-Spezialisten Symantec. Thompson widersprach in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ der weit verbreiteten Ansicht, dass Gates bei der Auswahl das Sagen haben werde. Er habe zwar „enormen Respekt vor Bill“, sagte Thompson. Aber er habe die Rolle nicht angenommen, um Gates' Schachfigur zu sein.

Der Konzern will sich unabhängiger von seinen Software-Produkten wie das PC-Betriebssystem Windows oder die Office-Büroprogramme machen und stärker auf das Geschäft mit Geräten setzen. Noch-Microsoft-Chef Steve Ballmer hat starke persönliche Verbindungen zu Ford. Sein Vater war Manager bei dem Unternehmen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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