Microsoft-Entwicklerkonferenz
Der tollkühne Plan des Satya Nadella

Bei Microsoft herrscht Aufbruchsstimmung. Allerdings wird dies von der ungewissen Zukunft des Betriebssystems Windows überschattet. Doch auch hier hat Konzernchef Nadella einen ambitionierten Plan.
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San FranciscoEs ist nicht weniger als eine Revolution: Roboter, 3D-Brillen, Software für Apple und Linux, Internetdienste. Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz Build in San Francisco malte Microsoft-Chef Satya Nadella am Mittwoch das Bild eines Unternehmens, das nichts mehr gemeinsam haben soll mit dem alten Giganten des PC-Zeitalters.

Allerdings wurde die Aufbruchsstimmung von der ungewissen Zukunft des Betriebssystems Windows überschattet. Doch auch hier hat Nadella einen ambitionierten Plan.

Die große Enttäuschung vorab: Anders als erwartet verkündete der Microsoft-Chef keinen Starttermin für Windows 10. Es bleibt also bei den Spekulationen, von denen die eine aus der Masse herausstich: AMD-Chef Lisa Su verplapperte sich wohl beim Telefongespräch mit Analysten und sprach vor wenigen Tagen von Wachstumsimpulsen für den Chiphersteller „Ende Juli“, wenn Windows 10 kommen werde.

Doch davon abgesehen schaffte es der 47-jährige Nadella die über 6000 Softwareentwickler, Partner, Kunden und offenbar auch die Wall Street im Moscone Center auf seine Seite zu ziehen. Die Microsoft-Aktie fiel in einem schwachen Markt mit 0,19 Prozent auf 49,06 Dollar deutlich weniger stark als der Dow Jones Index mit minus 0,41 Prozent oder Apple mit minus 1,47 Prozent.

Windows 10 ein Jahr kostenlos

Merv Adrian, Lead-Analyst für Microsoft bei Gartner, weiß warum. „Das Momentum hat sich beschleunigt“, analysiert er nach dem ersten Tag der Schicksalskonferenz im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Sie bewegen sich jetzt schneller als ich erwartet habe.“

Es ist eine forsche Ansage, die Nadella macht: Eine Milliarde Geräte mit Windows 10 binnen drei Jahren verspricht er den Softwareentwicklern. Das ist sozusagen die Kundenbasis, mit der sie rechnen sollen. Es wird aber ein schwerer Weg dorthin. Zum Vergleich: Es hat 15 Monate gedauert, um 200 Millionen Windows 8 Lizenzen zu verkaufen und 60 Prozent aller PCs laufen noch mit Windows 7.

Nadellas Plan: Für ein Jahr gibt es Windows kostenlos für alle Besitzer von Windows 7 oder Windows 8. Das sorgt für eine ordentliche Ausgangsbasis. Danach muss sein neues Service-Konzept greifen. „Windows ist keine Software mehr, es ist ein Service“, verspricht er. Ein Ökosystem aus Software und Diensten mit einem einheitlichen App-Shop für alle Geräte. Eine App für Windows 10 wird auf einem PC laufen, einem Laptop, Smartphone, einem Tablet und sie soll sogar mit der 3D-Brille Hololens nutzbar sein.

Beliebte Features wie den „Start-Knopf“ hat Microsoft zurückgeholt, einen neuen Browser eingebaut, der alte Schwächen vergessen machen soll. Die Sprachsteuerung Cortana vom Smartphone kommt auf den Schreibtisch. Schöner, schneller und besser soll alles werden: „Ich will, dass die Menschen Windows lieben“, sagte Nadella.

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  • Man braucht sich die technical Preview von Win10 nur anzusehen, um zu ahnen wohin der Hase mit Windows als "Service" laufen wird.

    In Unternehmen wird man gut bereiten bleiben auf plattformübergreifende Lösungen zu setzen, um Abhängigkeiten soweit als möglich zu minimieren: sowenig Sinn es macht auf fremdcloudbasierte Systeme zu setzen, sowenig Sinn wird es auch künftig machen können, auf lediglich eine einzige Systemlösung zu setzen.

    Das wird Umdenken erfordern - aber das wäre ja nicht gerade neu im IT-Bereich.

  • Hört sich gut an.
    Ideengeber, die sich was trauen (und dafür – zumindest am Anfang gern als „Spinner“ belächelt werden) können allerdings froh sein, dass es so viele ambitionierte Tüftler, Praktiker und Bastler gibt, die ihre Ideen dann auf dem Boden der Realität verankern.
    Ohne die wären auch „Visionäre“ aufgeschmissen. Was im Grunde nichts anderes heißt, als dass JEDER Arbeit, die gemacht werden MUSS – ob „qualifiziert“ oder nicht - in einer Gesellschaft, die sich als zivilisiert ansieht, der Wert (in Geld oder sonstwie ausgedrückt) beigemessen werden muss, der mindestens ein menschenwürdiges Überleben des Ausführenden sichert.
    Soviel zu der aktuellen Debatte um die zukünftigen Arbeitsplätze im Zeitalter der Digitalisierung.
    Flexibilität bedeutet im Grunde nichts anderes als Freiheit. Dennoch haben sehr viele Menschen Angst davor. In unserem derzeitigen sozialen Modell zu Recht.
    Es ist schlichtweg für die Allermeisten – wenn sie nicht in der glücklichen Lage sind, dass ihr Potential an der richtigen Stelle erkannt wurde und sie demzufolge aufgrund eines Arbeitsvertrags abgesichert sind - viel zu riskant, das Wagnis einzugehen, die Umsetzung ihrer Ideen tatkräftig in Angriff zu nehmen, weil sie, wenn dann im Falle ihres Scheiterns vor dem Nichts stehen, weil sie von der Gesellschaft nicht aufgefangen werden. Falls sie – wie leider immer noch viel zu viele – im täglichen Kampf ums Überleben überhaupt dazu kommen, sich mal ein paar Gedanken machen zu können.
    Zum x-ten mal:
    Die technologische Entwicklung (hier: Digitalisierung) darf sich keinesfalls nur auf Maschinen beschränken, sondern muss zwingend dazu genutzt werden, unsere politischen Systeme (wobei natürlich die den Anfang machen müssen, die dazu von den ihnen gegebenen Möglichkeiten her am ehesten in der Lage sind!!) auf den aktuellen Stand der Evolution zu bringen!
    Vernünftigen Argumenten, die diese Meinung in Frage stellen, bin ich jederzeit und gerne zugänglich. Schmähungen nicht.

  • An Windows führt kein Weg daran vorbei. '
    '
    Wer sich im Finanzsektor einmal aktiv mit dem Legobaukasten LINUX befasst hat, der weißt Windows danach erst richtig zu schätzen. Linux ist im Finanz-Sektor bestimmt eine wunderbare Sache für gewisse Experten, Bastler, Spinner und Menschen, die keine besonderen Ansprüche haben.

    So gesehen wird Windows auch weiterhin seine Marktposition behaupten können, denn es ist alternativlos und wird seinen Weg gehen.

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