Mittelstandssoftware
Sage setzt sich von SAP ab

Auch wenn SAP derzeit verstärkt den Bereich Software für mittelständische Unternehmen ausbauen möchte, der britische Marktführer Sage sieht in dem deutschen Unternehmen keine Gefahr. Sage-Chef Paul Walker sieht SAP klar im Nachteil – und fürchtet sich auch nicht vor Microsoft.

NEWCASTLE. Die neue Mittelstands-Offensive von SAP lässt den britischen Softwarehersteller Sage kalt. „Fabelhafte Produkte, aber sie passen nicht wirklich für mittelständische Firmen“, sagt Paul Walker, Chef des führenden internationalen Anbieters von Software für kleine und mittlere Unternehmen. Walker zeigte sich im Gespräch mit dem Handelsblatt in der Firmenzentrale in Newcastle stark an weiteren Übernahmen in Deutschland interessiert. Sage ist hier schwächer vertreten als auf anderen wichtigen Märkten in Europa.

SAP habe mit den Mittelstandsprodukten der Tochter Business One wenig Erfolg gehabt, weil dem Konzern die Vertriebskanäle für Mittelstandskunden fehlten, sagte Walker. „Wir treffen auf unseren Märkten nicht oft auf Business One als Konkurrent.“ Den Nachfolger „All in One“ sehe er noch oberhalb von Business One angesiedelt. „Ist das nicht eigentlich R/4?“, fragt Walker unter Bezug auf das Standardprodukt von SAP für Großunternehmen, das R/3 heißt. Sein Urteil: keine Konkurrenz für Sage. Eher schon mache Microsoft Fortschritte in dem Markt.

An Selbstvertrauen mangelt es Walker nicht. Sage, einst ein kleiner Hersteller von Buchhaltungsprogrammen aus dem nordenglischen Newcastle, ist seit dem Börsengang 1989 rasant gewachsen. Er setzte auf eine dezentrale Strategie, die das genaue Gegenteil der Herangehensweise von SAP ist. Statt zentral Software zu entwickeln und auf der ganzen Welt zu vermarkten, kauft Sage weltweit nationale oder regionale Anbieter mit solidem Kundenstamm und erprobten Vertriebskanälen und lässt sie weitgehend eigenständig weiterarbeiten. Dabei gehen die Briten von der Überzeugung aus, dass Buchhaltungssoftware wegen unterschiedlicher Gesetze und Gepflogenheiten ein nationales Produkt ist. Außerdem bleiben sie so nah am Kunden – ein Vorteil, wenn Service die Hälfte des Umsatzes ausmacht.

Nur noch ein Fünftel des Umsatzes macht Sage im Heimatland, dafür aber mehr als 40 Prozent in den USA. Mit rund einer Mrd. Pfund (1,5 Mrd. Euro) Jahresumsatz sind die Briten viertgrößter Hersteller von Unternehmenssoftware. Die Produktpalette deckt von Buchhaltung über Produktion und Personal bis Vertrieb alle Kernfunktionen ab.

„Sage ist sehr gut darin, mit regionalen Akquisitionen zu wachsen und die Leistungsfähigkeit der gekauften Firmen zu verbessern“, sagt David Bradshaw, Analyst der Beratungsfirma Ovum. „Sie tun gut daran, den übernommenen Firmen nicht ihre Technologie aufzudrücken“, stimmt Gartner-Analyst Chris Pang zu. Mit dieser Jäger- und Sammler-Strategie sei Sage eher ein Finanzinvestor als ein technologiegetriebenes Softwarehaus, spitzt er zu.

„Ich weiß, das sagen die Analysten gerne, aber das stimmt nicht“, kontert Walker. „Wir entwickeln Technologie, teilweise recht komplexe, aber unser Motto ist leise Technologie“, sagt er. „Unsere Kunden haben meist gar keine IT-Abteilung. Sie wollen nicht wissen, was unter der Motorhaube ist, sie wollen, dass das System läuft.“

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