Mobilcom-Chef Thorsten Grenz wirft Internettochter Bruch von Vereinbarungen vor
Freenet verzögert Fusion mit Konzernmutter Mobilcom

Die geplante Fusion der Büdelsdorfer Mobilcom AG mit dem Internetdienstleister Freenet läuft nicht reibungslos: Thorsten Grenz, Vorstandsvorsitzender der Büdelsdorfer Mobilcom AG, wirft dem Vorstand der Internettochter Freenet vor, den vereinbarten Terminplan zu gefährden.

HAMBURG. „Der Zeitplan für die Verschmelzung ist gerade noch einzuhalten, aber es sind größere Anstrengungen notwendig, da Freenet den Businessplan drei Wochen später als ursprünglich geplant vorgelegt hat“, kritisiert Grenz gegenüber dem Handelsblatt.

Mobilcom sollte von Freenet bereits am 2. Mai die Geschäftspläne erhalten, um möglichst schnell über die Verschmelzung zu verhandeln. Die Pläne sind wichtig, um die Ressourcenplanung, Organisation und Synergiepotenziale der Firmen festzulegen. Denn bereits im August sollen die Hauptversammlungen beider Firmen dem Zusammenschluss zustimmen.

Gerät nun der Zeitplan durcheinander, könnte dies vor allem den Freenet-Aktionären schaden. Der Hamburger Internetdienstleister müsste im laufenden Geschäftsjahr seine Gewinne voll versteuern, weil das Unternehmen die Verlustvorträge von Mobilcom nicht nutzen kann. Dadurch würde den Freenet-Aktionären ein finanzieller Schaden von rund 30 Mill. Euro entstehen. „Sollten die Hauptversammlungen erst im September stattfinden, könnte man die steuerlichen Vorteile für Freenet nicht mehr heben“, sagte der Mobilcom-Chef.

Mobilcom hat Verlustvorträge von rund drei Mrd. Euro. Die Büdelsdorfer hatten in den ersten drei Monaten das Konzernergebnis um elf Mill. Euro auf 28 Mill. Euro gesteigert. Freenet wies hingegen ein Konzernergebnis von 17,42 Mill. Euro aus, 19 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Die Büdelsdorfer Gesellschaft will die Internettochter eingliedern, um Synergien in mehrstelliger Millionenhöhe zu heben. Mobilcom ist an Freenet mit 50,4 Prozent beteiligt. Der neue Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific hatte bereits eine Verschmelzung begrüßt. Der Mobilcom-Kurs war gestern um 0,29 Prozent auf 17,01 Euro zurückgegangen, die Notierung von Freenet gab um 0,46 Prozent auf 19,61 Euro nach.

Auch viele Aktienanalysten sind skeptisch, ob der vereinbarte Termin für die Verschmelzung eingehalten werden kann. „Der Zeitplan, der gesetzt wurde, war sehr eng gesteckt“, sagte Jochen Reichert, Analyst bei SES Research. Er geht aber davon aus, dass die Verschmelzung noch 2005 zu Stande kommt.

Mit der verzögerten Herausgabe der Geschäftspläne dürften sich die Fronten zwischen dem Mobilcom-Chef und dem Freenet-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Spoerr weiter verhärten. Seit Wochen ist Grenz darüber verärgert, dass Spoerr die geplante Fusion durch öffentliche Äußerungen madig macht: „Der Kapitalmarkt hat die Verschmelzung eindeutig positiv bewertet. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung, sachorientiert an diesem Projekt zu arbeiten. Es geht um Aktionärsinteressen – als Vorstandsvorsitzender sollte man sich da nicht allzu wichtig nehmen“, sagt Grenz. Er rügt zudem, dass der Freenet-Chef die zwischen beiden Unternehmen in puncto Fusionsplanung vereinbarte Vertraulichkeit gebrochen habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%