Mobilcom will mit Freenet fusionieren
Drillisch erhöht Druck auf Mobilcom-Vorstand

Der Maintaler Mobilfunkanbieter Drillisch prüft, eine außerordentliche Hauptversammlung bei Mobilcom einzuberufen. „Wir haben dem Mobilcom-Vorstand eine ganze Reihe von Fragen gestellt. Bleiben diese unbeantwortet, erwägt Drillisch eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen“, sagt Drillisch-Vorstandschef Paschalis Choulidis dem Handelsblatt.

HAMBURG. Zu den offenen Fragen gehört insbesondere, ob die geplante Verschmelzung zwischen Mobilcom und der Internettochter Freenet weiter verfolgt werden sollte. Mobilcom will mit Freenet fusionieren.

Drillisch hatte sich erst vor kurzem mit mehr als zehn Prozent an Mobilcom beteiligt. Der Großaktionär plant, unter dem Dach von Mobilcom eine schlagkräftige Einheit als neuer Serviceprovider zu bilden - möglicherweise mit weiteren Unternehmen wie Debitel und Talkline.

Eine Sprecherin von Mobilcom sagte, sie habe keine Kenntnis darüber, dass Drillisch ein außerordentliches Aktionärstreffen einberufen will.

Choulidis sagte der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, Drillisch ziehe außerdem in Betracht, den vor zwei Oberlandesgerichten anhängigen Klagen gegen die Fusion von Mobilcom und Freenet als Nebenintervenient beizutreten.

Choulidis sagte, es sei zu befürchten, dass sich der Zusammenschluss für die Mobilcom-Aktionäre ungünstiger gestalten könne als für die Anteilseigner von Freenet. An dem Internetanbieter ist die Mobilcom AG derzeit etwas über 50% beteiligt. Das Vorhaben, ihn ganz zu übernehmen, wird durch Aktionärsklagen blockiert. Konkret will Choulidis unter anderem geklärt wissen, ob die im Vorfeld der Fusionsbeschlüsse vom vorigen Jahr ermittelten Wertverhältnisse beider Unternehmen noch realistisch sind.

„Was damals richtig war, muss heute nicht unbedingt mehr stimmen“, sagte Choulidis. Er verwies darauf, dass gemäß den alten Planzahlen allein freenet im kommenden Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 243 Mill. Euro einfahren sollte. Aktuell habe der Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr, der gleichzeitig auch Mobilcom leitet, für beide Gesellschaften zusammen für 2007 aber nur ein EBITDA von 200 Mill. inklusive Synergien aus der Fusion angekündigt.

Außerdem verlangt Choulidis Auskunft darüber, ob die Freenet.de AG nach der Fusion noch weiterverkauft könne, falls ein attraktives Angebot eingehe. Ferner will der Drillisch-Vorstandsvorsitzende Klarheit über die Frage erlangen, was in einem solchen Fall mit den Verlustvortrag der mobilcom von 3 Mrd. Euro passiert.

Drillisch ist mit rund 10,4% an dem Büdelsdorfer Unternehmen beteiligt. Zunächst will sich Choulidis auf dieses Engagement konzentrieren. Langfristig strebt er den Zusammenschluss der vier großen deutschen Mobilfunkdienstleister an.

Spoerr hatte zuvor in einem am Freitag veröffentlichten Interview einem Zusammenschluss mit Drillisch eine Absage erteilt. „Die wollen, dass wir sie übernehmen, aber das werden wir nicht tun“, sagte er der Zeitung „Die Welt“

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