Mobilfunk
Qualcomm schmeichelt sich bei Apple ein

Mobilfunker und Dienstleister in aller Welt setzen große Hoffnungen in das neue iPhone von Apple, das nächste Woche in den USA auf den Markt kommt. Qualcomm, der führende Anbieter von mobiler Technologie in den USA, hat schon zahlreichen Ideen für Dienste rund um das schicke Handy – und versucht, sie Apple schmackhaft zu machen.

SAN DIEGO. Apples Smarthandy iPhone, das am 29. Juni in den USA in den Handel geht, sei „eine großartige Sache“, sagt Paul Jacobs. Der Manager ist seit knapp zwei Jahren Chef von Qualcomm, dem US-Spezialisten für mobile Telekom-Technologie. In einem Gespräch mit europäischen Journalisten zum Auftakt der jährlichen Brew-Konferenz am Firmensitz sagte Jacobs, dass das iPhone mehr Aufmerksamkeit als andere Handys auf die angebotenen Dienstleistungen sowie auf die Nutzerfreundlichkeit der Software lenken werde.

Brew ist die Abkürzung für Qualcomms Softwareplattform für die mobile Kommunikation ähnlich Java von Sun Micro, auf der zahlreiche andere Programme aufsetzen. Die Konferenz bringt in diesem Jahr Softwareentwickler sowie Gerätehersteller mit Netz- und Inhalteanbietern zusammen.

Obwohl das iPhone – bislang jedenfalls – keine Qualcomm-Chips enthält, wäre es „eine ideale Verbindung mit unseren Media Flo Service“, sagt Jeffery Brown, Chef für globale Strategie und Entwicklung des Dienstes, mit dem Qualcomm Videounterhaltung und -informationen auf das Handy bringen will. Insgesamt 800 Mill. Dollar will der Konzern in den Aufbau eines hochleistungsfähigen Sendenetzes investieren, über das Nutzer TV-Nachrichten, Spielfilme, Sportsendungen und Videospiele mit hoher Bildqualität auf ihrem Handy empfangen können. Die mit modernster Technik ausgerüstete Sendezentrale der Media Flo USA in San Diego ist bereits in Betrieb, und in 30 Städten der USA können Handy-Kunden den Dienst empfangen – einstweilen jedoch nur über den Netzbetreiber Verizon Wireless und mit Handys von Samsung und LG. Ab Oktober wird AT&T als nächster großer Mobilfunkanbieter diesen Dienst offerieren.

Jacobs macht keinen Hehl daraus, dass Qualcomms Vorleistung bei Media Flo das Ziel verfolgt, zögernde Mobilfunkbetreiber von der Markttauglichkeit des Angebots und damit von Handys mit Qualcomm-Technologie zu überzeugen. Auf der anderen Seite sieht Jacobs den Dienst als Geschäftsmodell, das eines Tages in auf eigenen Füßen stehen könnte.

Media Flo baut nicht nur Sendekapazitäten auf, sondern handelt auch die Lizenzabkommen mit den Inhalteanbietern aus. Die Qualcomm-Tochter wird von den Mobilfunkern bezahlt und kann in beschränktem Maße eigene Werbung einblenden. Während Media Flo USA laut Jacobs „von der Gewinnschwelle noch deutlich entfernt ist“, setzt ein Analyst von Sanford Bernstein bereits heute den Wert der Qualcomm-Tochter mit 3,5 Mrd. Dollar an und prognostiziert, dass die Zahl der Kunden für mobile Unterhaltung in den USA in den nächsten fünf Jahren auf 30 Millionen wachsen wird.

Im Gegensatz zu Asien sind die Aussichten für Media Flo in Europa nach Ansicht des Qualcomm-Strategen Brown „gemischt“. Unterschiedliche Reglementierung und knappe UHF-Sendefrequenzen seien die größten Hindernisse. „Wir starten Pilotprojekte nur in Ländern, in denen wir einen klaren Trend zur Kommerzialisierung von Sendefrequenzen erkennen“, sagt der Manager. Das sei am ehesten in Großbritannien und Spanien der Fall.

Andauernde Patenstreitigkeiten mit dem US-Konkurrenten Broadcom sowie mit der finnischen Nokia werfen allerdings Schatten auf Qualcomms insgesamt rosige Prognosen. Eine Verhandlungslösung mit Nokia wäre laut Jacobs „sehr wünschenswert und nicht ausgeschlossen“. Die Fronten im Streit mit Broadcom seien allerdings verhärtet.

Auf Betreiben von Broadcom verbot die US-Behörde International Trade Commission jüngst die Einfuhr neuer Handy-Modelle mit Qualcomm-Chips.Bereits angebotene Modelle dürfen weiter importiert werden. Das Verbot wurde sofort mit einer einstweiligen Verfügung ausgesetzt. Qualcomm sucht nun ein Veto von Präsident George W. Bush gegen die ITC-Entscheidung und wird dabei vom US-Verband der Mobilfunkanbieter, CTIA, unterstützt. Die Importsperre würde sowohl Handy-Anbieter wie Motorola, LG und Samsung als auch die Netzbetreiber Verizon, AT&T und Sprint Nextel treffen.

Jacobs sagte dazu, er sei nicht als Chef angetreten, um Klagen auszufechten, betonte aber andererseits, dass die gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Konkurrenten zu einer wesentlichen Verbesserung der Beziehungen zu den Netzanbietern beigetragen hätten. „Wir investieren viel Geld in die Forschung und wir leisten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der mobilen Kommunikation“. Die 1985 gegründete Qualcomm hält zahlreiche Patente und lizenzierte deren Nutzungsrechte an mehr als 135 Hersteller von Mobilfunkausrüstung in aller Welt.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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