Mobilfunk
T-Mobile schafft Roaming ab – in den USA

Roaming ist ein Ärgernis: Wer im Ausland mit dem Handy telefoniert oder ins Internet geht, zahlt üppige Gebühren. Die US-Tochter der Deutschen Telekom schafft den Zuschlag jetzt ab – zumindest ein bisschen.
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San FranciscoKunden von T-Mobile US können bald in mehr als 100 Ländern kostenlos mit ihrem Smartphone surfen und Textnachrichten verschicken. Es ist der dritte aggressive Plan innerhalb weniger Monate, mit dem T-Mobile-Chef John Legere den amerikanischen Mobilfunkmarkt in Aufruhr versetzt. Und diesmal will er den Konkurrenten AT&T und Verizon ein besonders lukratives Geschäft versalzen.

Geschäftsreisende und Touristen aus aller Welt kennen das Problem: In dem Moment, in dem man das heimatliche Mobilfunknetz verlässt, wird man zum Freiwild für Mobilfunkbetreiber. Die Kosten, um im Ausland zu telefonieren oder im Internet zu surfen, sind horrend.

Roaming wird der Prozess genannt, wenn sich der Kunde eines ausländischen Unternehmens in einem fremden Netzwerk anmeldet. Der ausländische Netzbetreiber berechnet dem heimatlichen Betreiber dann Kosten, die in sogenannten Interconnect-Verträgen festgelegt sind. Der wiederum stellt sie seinem Kunden in Rechnung und beide Netzbetreiber bekommen dann einen Teil des zusätzlichen Umsatzes. Der weltweite Roaming-Markt, schätzt die Analysefirma Visiongain aus London, liegt bei rund 45 Milliarden Dollar.

„Wenn ein amerikanischer Mobilfunkkunde sein Smartphone im Ausland so benutzt wie zu Hause, dann kostet das schnell 1000 Dollar oder mehr pro Tag“, brandmarkte T-Mobile-Chef Legere am Mittwoch in New York eine weit verbreitete Praxis. Als Antwort darauf würden über 40 Prozent aller Auslandsreisenden das Daten-Roaming komplett abschalten. Aber „das muss nicht so sein“, verspricht Legere.

Alle T-Mobile-Kunden in den USA werden ab 31. Oktober automatisch den neuen Dienst freigeschaltet bekommen, wenn sie den sogenannten „Simple Choice“-Plan haben. Der günstigste bietet für 50 Dollar im Monat freie Gespräche im Inland, unbegrenzt kostenlose Inlands-SMS und 500 MB an Datenvolumen. Zusammen mit dem Daten-Roaming wird auch der Versand von SMS aus dem Ausland kostenfrei sein.

„Die Ankündigung hat definitiv potenzielle Sprengkraft für den amerikanischen Markt“, urteilt Lynette Luna von der Analysefirma Current Analysis im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Daten-Roaming ist besonders im Geschäftskundenbereich eine erhebliche Einnahmequelle für große Betreiber wie AT&T und Verizon. Wenn T-Mobile der Einstieg in diesen Markt gelingen wird, werden die anderen nachziehen müssen.“

John Legere hat auch einen guten Rat für die Wettbewerber bereit: „Wartet einfach mal ein Jahr und schaut, ob es uns weh tut. Dann warten wir noch einmal ein Jahr und sehen, was passiert.“

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