Mobilfunkmarkt
O2 sucht den Anschluss

Die deutsche Telefónica-Tochter kommt nicht recht vom Fleck. Das iPhone und eine neue Mobilfunkgeneration sollen nun Kunden locken. Nach Expertenmeinung ist der Konzern mit dem Kult-Handy von Apple allerdings zu spät dran.
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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Seit mehr als zehn Jahren kämpft O2 unter wechselnden Namen in Deutschland um Telefonkunden. Der Erfolg lässt selbst in den Augen des Managements zu wünschen übrig. Laut Deutschland-Chef René Schuster ist der Konzern noch immer "der Angreifer" auf dem Mobilfunkmarkt.

Jetzt startet die Tochter der spanischen Telefónica eine weitere Attacke auf die Konkurrenz von Telekom und Vodafone. Von Mittwoch an verkauft O2 das iPhone von Apple. Mit attraktiven Konditionen wollen die Münchener Kunden gewinnen. So müssen sich iPhone-Nutzer bei 02 nicht über zwei Jahre binden. Wer will, kann jeden Monat kündigen. Bislang gab es in Deutschland das Telefon nur mit Vertrag bei der Telekom. Auch Vodafone bietet jetzt das Kult-Handy von Apple an.

O2 will sich darüber hinaus als Vorreiter der nächsten Mobilfunk-Generation positionieren. Erste Nutzer können ab Dezember den neuen, schnellen Standard LTE in München und Halle ausprobieren. "Deutschland ist der erste Markt, auf dem wir das ausrollen", sagt Matthew Key, Europa-Chef von Telefónica. Kommendes Jahr sollen 1 500 LTE-Stationen zur Verfügung stehen.

Experten bleiben dennoch skeptisch. Sie gehen davon aus, dass O2 mit dem iPhone zu spät dran ist. "Das iPhone ist nicht mehr der große Umsatztreiber", sagt Wolfgang Specht von der WestLB. Die besonders zahlungskräftigen Apple-Fans hätte die Telekom bereits abgegriffen, zudem gebe es inzwischen viele alternative Geräte.

Dabei könnte die Telefónica-Tochter eine Belebung des Geschäftes gut gebrauchen. Die Spanier haben sich in den vergangenen Jahren hierzulande schwer getan. Telefónica besitzt in Deutschland ein Fest- und ein Mobilfunknetz und ist nach Kundenzahlen in beiden Bereichen der viertgrößte Anbieter. Im ersten Halbjahr lag der Umsatz bei 2,3 Mrd. Euro. Im Festnetz haben sie Anfang des Jahres Hansenet übernommen, weil es nicht gelungen war, aus eigener Kraft genügend Kunden anzulocken.

Im Mobilfunk zog der zweite kleine Anbieter, E-Plus, an den Spaniern vorbei. Die KPN-Tochter hat Telefónica/O2 durch den Fokus auf Billigangebote und verschiedenen Marken für bestimmte Kundengruppen den Rang abgelaufen. Seit einigen Monaten holt O2 zwar kräftig auf: Im ersten Halbjahr gewann die Marke mehr Kunden als jeder Konkurrent. Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikation an der Uni Duisburg, geht aber davon aus, dass das Wachstum teuer kommt. "Telefónica kauft sich Marktanteile auf Kosten der Profitabilität", sagt er. Die Spanier bezahlten höhere Provisionen an Händler.

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